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Liebe Pfarrfamilie,
Das Evangelium des kommenden Sonntags beschreibt einen typischen Tag im Leben Jesu: er ist mit seinen Jüngern zusammen, heilt die Schwiegermutter des Petrus, wird bedrängt von weiteren Kranken und Besessenen und zieht sich dann in aller Frühe an einen einsamen Ort zurück, um zu beten.
In seiner Menschlichkeit braucht auch Jesus Momente der Ruhe, des Innehaltens und Auftankens, um weiterhin Heil schenken zu können.
Damit wird zweierlei deutlich: Jesu Kraftquelle liegt in Gott, den er in der Stille sucht und mit dem er Zwiegespräch hält und zweitens, wer gibt, muss auch Zeiten des Auftankens, des Empfangens kennen.
Ob nicht deshalb viele Menschen an Depression und „Burn-out-Syndrom“ leiden, weil sie nur immer leisten und geben (müssen?) ohne eine Quelle, einen Ort des Auftankens zu finden.
„Wer nicht mehr genießt, wird ungenießbar“, las ich einmal auf einer Karte.
Gönnen wir uns also Auszeiten, Zeiten in denen wir nichts „leisten“ müssen, sondern neue Kraft finden bei Gott, dem Schöpfer und Erhalter unseres Lebens.
Der sonntägliche Gottesdienst könnte dazu eine gute Gelegenheit sein!
Einen schönen Sonntag und eine gute Woche wünscht
Euer Dechant
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AUSGELEGT!
Markus 1,29-39
„Er heilte viele“ und: „Alle suchen dich.“ Diese beiden Sätze aus dem heutigen Evangelium irritieren mich.
„Alle suchen dich“, das mag vielleicht in der ganz konkreten damaligen aktuellen Situation so gewesen sein; automatisch übertragbar und verallgemeinerbar auf heute ist das sicher nicht. Und dann der andere Satz: Warum heilt er nicht alle, wo es doch eigentlich die Grundsehnsucht fast aller Menschen ist, heil und geheilt zu sein.
Ich weiß es auch nicht, warum Jesus nicht alle heilt; da bleiben mir der Gott Jesus und seine Wege verschlossen. Aber ich habe eine Vermutung.
Meine Vermutung ist, dass Jesus da sehr Mensch ist, nämlich dass er keine Heilungsmaschine und kein „Superman“ ist, sondern dass auch er angewiesen ist auf Hoffnung und Akzeptanz, auf geliebt und verstanden werden.
Und ich habe noch eine Vermutung: Nämlich, dass Jesus manchmal ganz schön überraschend sein kann und unberechenbar. Wo er wen wann heilt, das ist nicht voraussagbar und berechenbar; das ist und bleibt in der Logik Gottes. Das ist Gnade.
Und ich möchte offen und bereit sein, um Gottes Heil und Heilung zu erwarten und anzunehmen.
Christine Rod MC
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Da hilft nur noch beten!
Hilft es wirklich? Wenn kein Arzt mehr helfen kann, weil die Krankheit schon ganz und gar Besitz ergriffen hat vom Kranken? Wenn das Schiff leck geschlagen ist und zu sinken beginnt? Wenn die Firma vor dem Konkurs steht und alle nur noch eines von einem wollen: Geld? Wenn nichts mehr hilft, hilft dann das Gebet?
Mag sein, dass dieser Satz auch heute manchmal noch mit ehrlicher Hoffnung über die Lippen kommt. Doch meistens ist er wohl eher Ausdruck absoluter Resignation: Wo nur noch beten hilft und sonst gar nichts mehr, da ist eigentlich alles schon gelaufen.
An der Kraft des Gebetes hat man übrigens auch früher schon gezweifelt. In der Bibel gibt es einen Brief, den ein gewisser Jakobus geschrieben hat. Er ist an eine Gemeinde gerichtet, die im wahrsten Sinne des Wortes vom Glauben abgefallen war. An einer Stelle des Briefes gibt Jakobus dann ein fast schon trotziges Statement ab: „Das Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.“
Das ist ein ganz unscheinbarer Satz, und doch steckt darin mindestens eine doppelte Wahrheit: Erstens nämlich der Hinweis darauf, dass es einem schon ernst sein muss mit dem Beten. Wer das Gebet ernst nimmt, der nimmt sein Anliegen ernst und damit natürlich zugleich sich selbst. Wer so betet, weiß immerhin schon, dass er Hilfe braucht. Und oft hilft einem ein solches Gebet auch, sich im Angesicht Gottes durchsichtiger und klarer zu werden und wieder Raum zu gewinnen und Luft zum Atmen. Ein frommes Zwiegespräch ermöglicht eben eine größere Tiefe der Selbsterkenntnis als ein bloßes Selbstgespräch. Das ist das eine.
Man kann den Satz noch anders lesen. Dann ginge es nicht um die Ernsthaftigkeit des Gebets, sondern um den Ernst der Lage: Wenn’s ernst wird, dann hilft eben auch beten. Und zwar deswegen, weil man sich selbst und das, was einen bedrückt, im Gebet jemandem anvertraut. Man wirft es auf Gott und hat selber weniger zu tragen. Wer sich Gott im Gebet zum Vater nimmt, der kann wieder Kind sein. Und so, wie ein Kind sich in den Armen der Mutter oder des Vaters geborgen und beschützt weiß, so kann es auch dem gehen, der betet: Gewiss zu sein, darauf zu vertrauen (oder auch nur zu hoffen), dass ich nicht tiefer fallen kann als in Gottes Hand – das ändert zwar nichts an der Realität, aber es ändert doch etwas daran, wie ich mit ihr umgehen kann. Strampeln muss ich immer noch, aber ich gehe in Gottes Namen nicht unter.
Nils Kiesbye
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WARUM KANN ICH GOTT NICHT SEHEN ?
Vielleicht spielst du auch gern: „Ich sehe was, was du nicht siehst“.
Du hast einen bestimmten Gegenstand im Blick und die anderen müssen raten, welchen
Gegenstand du ins Auge gefasst hast.
Wenn es um den lieben Gott geht,
müsste das Spiel heißen: „Du siehst nicht, was ich auch nicht sehe.“ Denn kein lebender Mensch hat Gott jemals angucken können. Trotzdem glauben viele, dass sie Gott begegnet sind. Nur „richtig“ gesehen, wie du deine Mutter ansehen kannst, haben sie ihn nicht.
Aber wir können uns Gott vorstellen. Warum ist das so? Es steht ganz am Anfang des Buches, in dem die Geschichte Gottes mit uns Menschen aufgeschrieben ist, in der Bibel. Darin ist beschrieben, wie Gott den Menschen erschaffen hat. Das wird vielleicht in deiner Kinderbibel auch erzählt. Der Text sagt, dass Gott den Menschen „nach seinem Bild“ erschaffen hat. Wir haben also guten Grund zu glauben: Wenn wir Gott ähnlich sehen, dann sieht er auch uns ähnlich. Aber er ist sehr viel größer, sehr viel heller. Darum steht in der Bibel auch: Wir sollen uns kein Bild von ihm machen. Egal, wie wir ihn darstellen, er sieht vermutlich noch einmal ganz anders aus. Das ist gut so. Denn Gott muss uns ja immer noch überraschen können. Zum Beispiel damit, dass er seinen Sohn schickt. Und der wiederum sah uns sehr ähnlich.
Angela M. T. Reinders
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Der Alltag wird zum Abenteuer
Mit dem Zug zum Abendessen nach Paris, mit dem Billigflieger zum Shoppen nach Mailand oder im Internet mit wer-weiß-wem wer-weiß-wo chatten – alles kein Problem!
Den Globus bereisen mit leichtem Handgepäck. Die Welt ist ein Dorf!
Alles Augenwischerei. Mag die Welt ein Dorf geworden sein; unser Dorf, sprich die Umgebung, in der wir leben, wird vielen dagegen immer fremder. Weltbürger möchten wir sein, oder doch zumindest Europäer, dabei wäre uns allen schon viel geholfen, wenn es wieder mehr bessere Nachbarn gäbe (natürlich gibt es die – Gott sei es gedankt – noch, doch seien wir ehrlich, auch im ländlichen Bereich werden sie seltener, von Städten ganz zu schweigen).
Mir kommt diese Fernweh-Exotik-Romantik oft wie eine Flucht vor, eine Flucht vor der Banalität, dem Unaufgeregten, dem Alltäglichen, das uns umgibt. Natürlich ist es toll, fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen; natürlich sind Kontakte via Internet zu Menschen anderer Kontinente aufregend – doch das ist das Besondere und darf uns nicht den Blick verstellen, für den Ort, wo Gott uns hingestellt hat und wo wir eine Aufgabe haben.
Leider sind manchmal auch die Kirchen von diesem Besonderheits-Bazillus befallen. Doch ich kann nicht Christ nur auf Kirchen- und Weltjugendtage oder auf dem Jakobsweg sein. Christ bin ich im Alltag, mag er auch noch so grau und dröge erscheinen.
Ich schreibe bewusst erscheinen, denn meiner Ansicht nach gilt das, was André Heller in dem Lied „Die wahren Abenteuer sind im Kopf“ gesungen hat: „Die wahren Abenteuer sind im Kopf, und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.“ Jede Fernreise wird banal, wenn ich nicht Fantasie, Glaubensbegeisterung, Enthusiasmus und Freude im Kopf mitnehme. Und genau mit dieser Fantasie und Begeisterung kann auch jeder Alltag zum Abenteuer werden.
Michael Tillmann
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GEBET
O Herr, ich danke dir für diesen Tag,
für alles was er bringen mag.
Mein Leben liegt in deiner Hand,
was mich bedrückt ist dir bekannt.
Trifft mich ein Leid, führ’ mich hindurch
befreie mich von jeder Furcht.
Lass mich mit Augen der Liebe sehen,
und meinen Nächsten besser verstehen.
Lass mich helfen wo ich kann
und nie denken, was gehen mich andere an.
Lass alle Menschen Freunde werden,
dass Friede wird auf dieser Erde.
Beschütze alle Lieben mein,
lass sie in dir geborgen sein.
Verzeih’ mir meiner Sünden Schuld,
und meines Herzens Ungeduld.
Doch vor meinem Bitten und Flehen,
Herr, soll stets dein Wille stehen.
Ich danke dir für diesen Tag,
für alles, was er bringen mag.
Und sollte es mein letzter sein,
sei gnädig mir und führ mich heim.
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Hl.Stephanus 2010
Fürbitten:
P. Stephanus hat bei seinem Tod den Himmel offen gesehen
und für seine Verfolger gebetet. Herr, Jesus Christus, wir bringen unsere Bitten vor dich:
- Wir beten für die vielen Christen auf der ganzen Welt,
die um ihres Glaubens willen verfolgt werden. Stärke sie und gib ihnen die Kraft bis zum Ende standhaft zu bleiben. V. Christus, Heiland der Welt
- Wir beten für alle Christen, die um ihres Glaubens willen
aus ihrer Heimat vertrieben worden sind. Lass sie Menschen finden, die ihnen beistehen und eine neue Heimat geben. V. Christus, Heiland der Welt
- Wir beten für alle Menschen, die mit der Frohen Botschaft von der Menschwerdung Gottes nichts mehr anfangen können.
Zeige ihnen, dass du der Retter und Erlöser bist, der Himmel und Erde miteinander versöhnt hat.
V. Christus, Heiland der Welt
- Wir beten für alle Menschen, die sich nach Gerechtigkeit und Freiheit sehnen. Schenke ihnen dauerhaften Frieden.
V. Christus, Heiland der Welt
- Wir beten für alle Menschen, die ihren Lebensweg vollendet haben. Lass sie am ewigen Leben teilhaben, das du denen bereitest, die zu dir stehen. V. Christus, Heiland der Welt
P. Herr, du hast deine Jünger aufgefordert, sich keine Sorgen zu
machen. Dir übergeben wir unsere Sorgen im Vertrauen, dass du die Deinen rettest. Der du lebst und herrschest in alle Ewigkeit.
Als ich ein Stein wurde
Als ich ein Stein wurde,
hörte ich auf zu schreien.
Ich ließ mich treten,
schrie aber nicht mehr, wenn ich getreten wurde,
kollerte aber immer wieder in anderer Leute Wege.
Auch wenn sie über mich hinweggingen,
spürte ich nichts mehr,
aber ich zwang sie, über mich hinwegzugehen,
das war meine Genugtuung.
Ich weise niemandem mehr den Weg,
das überlasse ich Meilensteinen und Menschen.
Ich lasse stolpern,
mehr kann ich nicht machen.
Endlich bin ich so hart gegen mich,
wie es nötig ist zum Überleben.
Die Tritte lasse ich über mich hinweggehen,
das Beiseitestoßen halte ich aus,
endlich.
Ich bin eins mit der Natur,
und meine Bedürfnisse sind gering.
Der Schlamm bedeckt mich, wenn mich friert,
der Schnee tut im Winter ein übriges.
Der Regen wäscht mich,
die Sonne trocknet mich.
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Muss man das Christentum verteidigen - und gegen
wen?
Immer
wieder schaffen Bücher den Platz unter die Bestseller, die
das Ende der christlichen Religion oder der Religionen überhaupt
zum Thema haben. J
Je nach Autor unterscheiden sich die Blickwinkel und Ansatzpunkte
der Kritik. Die einen betonen die Gefährlichkeit von Religion,
andere die
Tatsache, dass die Wissenschaft Gott abgeschafft hätte oder
dass es keiner Religion bedürfe, um Moral- und ethische Wertvorstellungen
zu entwickeln.
Nicht wenige Christen verunsichert diese Kritik.
Der Philosoph Immanuel Kant hat im 16. Jahrhundert geklärt,
dass sich das Dasein Gottes mit dem Verstand weder beweisen noch
widerlegen lässt.
Das Ringen mit dem Glauben ist damit aber keine unvernünftige
oder sogar sinnlose Angelegenheit, sondern eine Aufgabe mit mehreren
Ebenen. Eine Wahrheit, die vor Argumenten geschützt werden
muss, ist keine Wahrheit, die auf Dauer Bestand haben könnte.
Christen brauchen keine Angst zu haben vor der Auseinandersetzung
mit der Erkenntnis anderer Weltanschauungen, egal ob sie auf anderen
Zeugnissen beruhen oder auf dem Wissen von Wissenschaften.
Die redlich geführte Auseinandersetzung gehört genau
so zur christlichen Existenz wie eine Glaubensbiografie mit Höhen
und Tiefen. Sie kann den Glauben von allzu menschlichen Vorstellungen
befreien.
Der Glaube, der sich "nach" dem redlichen Ringen der
Vernunft auf Gott einlässt, ist ein anderer.
Er weiß um die Abgründe der Hoffnungslosigkeit, aber
er weiß auch von der Kraft der Erkenntnis durch das Denken.
Niemand kann uns vor dem Zweifel schützen, der sich jederzeit
in unsere Hoffnung drängen kann. Zur befreienden Wahrheit
des Christentums gehört auch die Einsicht, dass es keine
Frage der Schuld ist, wenn einem Menschen die Welt als absurdes
Theater erscheint.
Glauben bleibt glauben - auch wenn er vom Wissen bis zu diesem
Glauben getragen worden ist.
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Fünfzig!
So
heißt kurz und knapp eines der wichtigsten Feste der Christen.
Glauben Sie nicht?
Doch, Sie kennen es alle. Ich meine: "Pfingsten", kommt
vom griechischen "Pentekoste" und das heißt ganz
einfach: Fünfzig!
Gemeint sind 50 Tage nach Ostern.
Ja, und so kurz und seltsam sein Name ist, so sehr fristet Pfingsten
ein Mauerblümchendasein unter allen kirchlichen Festen: Dabei
gäbe es kein einziges kirchliches Fest ohne es.
Denn ohne Begabung mit dem Heiligen Geist wären die Jünger
rückwärtsgewandte Menschen geblieben, hätten Gedenkfeiern
auf Jesus abgehalten, aber keine Gemeinde gegründet.
Doch könnten Sie die Frage beantworten: "Was ist der Heilige
Geist?" Nein?
Sie sind in guter Gesellschaft.
Denn auch Lukas beantwortet in seiner Pfingstgeschichte diese Frage
nicht.
Er sagt höchstens: "Heiliger Geist ist wie Feuer, wie
Sturm." Ihn interessiert, wie der Heilige Geist wirkt. Und
wie wirkt er?
Er verändert Menschen.
Aus stummen Jüngern, die sich von Jesus verlassen fühlen,
werden Begeisterte, die öffentlich das Wort ergreifen. Die
Erntefestgemeinde, die in Jerusalem wie gewohnt feiern will, wird
aufgestört.
Ein anderer Wind weht da, kein Gottesdienst hinter verschlossenen
Türen, Gottes Geist hat etwas gegen geschlossene Gesellschaften,
reißt Fenster und Türen auf und drängt zur Mitteilung.
Und dieser Geist zielt auf Verständlichkeit.
Das Reden der Jünger kann jeder verstehen: "Sie loben
die großen Taten Gottes!", staunen die Hörer. So
wirkt der Heilige Geist. "Wirkt"? Muss ich nicht schreiben:
"Wirkte"? Nein!
Auch wenn oft genug versucht wurde, die wilde Taube des Geistes
zu einem flügellahmen Vogel zu machen, der Heilige Geist wirkt
weiter.
Vielleicht nicht mit vielen Worten oder ganz ohne welche, doch er
wirkt in den Menschen, die ihn durch ihr Leben hinein
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Maria
im Mai
"Maria, Maienkönigin, dich will der Mai begrüßen.
O segne ihn mit holdem Sinn und uns zu deinen Füßen.
Maria, dir empfehlen wir, was grünt und blüht auf Erden.
Lass uns in dieser Pracht und Zier das Werk des Schöpfers ehren",
heißt es in einem Marienlied.
Seit Ende des 18. Jahrhunderts feiert die Kirche im Mai die Gottesmutter,
da "der schönste Monat des Jahres der schönsten aller
Frauen geweiht sein soll".
Die Freude über die neu blühende Natur erinnert an Maria,
die Christus, das Heil der Welt, geboren hat. Deshalb wird Maria
häufig inmitten von Blumen dargestellt, die auch das verloren
gegangene Paradies versinnbildlichen.
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| Vor
Mauern
Was
bedeutet es, in der heutigen Jugend Christ zu sein?
Es
bedeutet, vor Mauern zu stehen, die gebaut sind aus Steinen des
Desinteresses, der Ablehnung, der Gleichgültigkeit.
Man steht vor Mauern, wenn man das Desinteresse wahrnimmt, über
Gott oder den Glauben an ihn zu reden, zu diskutieren.
Man steht vor Mauern, wenn man die Ablehnung spürt, den Glauben
an Gott zu leben, zu praktizieren.
Man steht vor Mauern, wenn man die Gleichgültigkeit fühlt,
die Fixierung auf das jetzige Leben, manchmal sogar die Fixierung
auf die eigene Person.
Man steht vor Mauern, wenn der Gottesdienst als veraltetes Ritual
belächelt wird.
Es
bedeutet aber auch, vor Mauern zu stehen, die von der Kirche selbst
errichtet werden.
Man steht vor Mauern, wenn man aufgrund hierarchischer Strukturen
und fehlender Demokratisierung so gut wie keine Möglichkeit
hat, in der Kirche zu entscheiden, die Kirche zu verändern.
Man steht vor Mauern, wenn sich die Kirche mit ihren Lehren gegen
die Zeit und die eigenen Überzeugungen stellt.
Man steht vor Mauern, wenn die Kirche Gruppen in ihrer Gemeinschaft
geringer schätzt als andere, Laien geringer als Geweihte,
Frauen geringer als Männer.
Man steht vor Mauern, wenn man sich zwischen der Priesterweihe
und der Ehe entscheiden muss.
Was
kann man tun gegen solche Mauern, gegen Mauern, die man, wie es
scheint, nicht einzureißen vermag?
Soll man vor ihnen zusammensinken, vor ihnen kapitulieren?
Soll man gegen sie anrennen, um nur sich selbst zu verletzen?
Oder sollte man jeden Stein einzeln abtragen?
Soll, kann man hoffen, dass die Mauern irgendwann zusammenfallen?
Tobias
B. Tillmann, 17 Jahre
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Warum
ER nicht vom Kreuz steigt
Warum
steigt er nicht einfach vom Kreuz?
Die Macht hätte Jesus, er ist ja der Gottessohn.
Warum also lässt er sich das gefallen: Spott, Geißelung,
Kreuzigung?
Er könnte es denen doch zeigen, könnte ihnen Gott und
seine Macht beweisen und vom Kreuz steigen. Warum macht er das
nicht?
Darauf gibt es nur eine Antwort: Er steigt nicht vom Kreuz, weil
er es nicht will.
Die Macht dazu hätte er. Die Kraft würde er bekommen.
Aber - er will es nicht.
Er will aushalten, leiden, allein auf Gottes Hilfe warten. Anders
ist das nicht zu erklären.
Er hat die Macht und die Kraft und nutzt sie nicht. Das klingt
paradox.
Er könnte sich helfen und tut es nicht. Das muss doch einen
Grund haben.
Der Grund ist die Liebe, glaube ich.
Wer liebt, will keine Macht.
Wer wirklich liebt, will sich nicht durchsetzen. Will einfach
nur warten, bis alle es einsehen: Liebe braucht keine Faust, kein
Schwert, kein Gewehr, sonst hat sie verloren.
Man glaubt dann nicht mehr der Liebe, sondern der Faust.
Würde Jesus vom Kreuz steigen, sagten die Leute sofort: Siehst
du, er selbst traut seiner Liebe nicht. Wenn es ernst wird, benutzt
er doch ein Schwert oder lässt sich von denen helfen, die
dicke Muskeln haben. Und genau das will Jesus nicht.
Er will lieben, vergeben, für die Bösen sogar noch bitten,
und, wenn es sein muss, dafür auch leiden.
Ich muss das nicht verstehen.
Ich kann den Kopf schütteln. Aber ernst nehmen will ich es
schon.
Liebe glaubt nur an sich selbst, sonst verrät sie sich. Liebe
will nicht Recht haben, sondern Recht bekommen. Einer neben dem
Kreuz schüttelt darüber nicht seinen Kopf. Ein römischer
Hauptmann.
Er sieht alles von Anfang bis Ende. Sieht den leiden, der nicht
ans Schwert, sondern an seine Liebe glaubt. Der hat Recht, sagt
er: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn.
Michael Becker
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Das Vaterunser
Was mir am Glauben wichtig ist
Vater
unser im Himmel
"Herr,
lehre uns beten." Die Bitte des Jüngers (Lukas 11,1)
spiegelt die moderne Unsicherheit wider:
Wer ist Gott? Wie steht er zu mir?
Wie kann ich in Kontakt mit ihm kommen?
Jesu Reaktion darauf ist keine theologische Erläuterung,
sondern das Vaterunser: "Vater unser im Himmel
".
"Abba - lieber Vater": dies ist eine kindliche Anrede
voller Vertrauen, frei von Enttäuschungen.
Ein Vertrauen, wie es Vincent van Gogh in seinem Gemälde
"Die ersten Schritte" ins Bild gesetzt hat: das kleine
Kind wagt die ersten, noch unsicheren Schritte in die weit geöffneten
Arme des Vaters.
Gott möchte, dass wir ihn menschlich anreden, in kindlichem
Glauben.
Das ist der erste Aspekt.
Hinzu kommt, dass der Vater auch derjenige ist, an dem sich der
Heranwachsende reibt, gegen den die zu gewinnende Freiheit zu
verteidigen ist.
Die Opposition des Heranwachsenden gegen den Vater ist etwas völlig
Natürliches und das gilt auch für den Weg des Menschen
vom Kinderglauben zum Erwachsenenglauben.
Das Gleichnis vom verlorenen Sohn erzählt, dass Gott die
Opposition zulässt, ohne dass der Mensch aus seiner Liebe
fällt. Entscheidend ist, dass Gott auf dem Weg vom kindlichen
zum erwachsenden Glauben nicht aufhört, Vater zu sein.
Seine Arme bleiben weit geöffnet und er möchte nichts
anderes als unser Vertrauen. "Vater" bleibt der Name,
bei dem wir Gott beim Wort nehmen dürfen.
Doch der Vater-Begriff ist in die Krise geraten. Kinder erleben
Väter abwesend, zu beschäftigt oder gar gewalttätig.
Deshalb beten wir auch: "Vater unser im Himmel".
Menschlich dürfen wir Gott begegnen und zugleich übersteigt
er alle menschliche Begrenztheit, die Fehlerhaftigkeit menschlicher
Väter. Irdischer Verlassenheit setzt Gott die Geborgenheit
bei ihm gegenüber.
Wir "verlorenen Menschen" dürfen immer wieder heimkehren.
Und zuletzt gilt auch das, was Paul Roth geschrieben hat: "Es
gibt keinen Namen für dich, der alles sagt, für alle
Zeit, für jeden. Weil nicht alles gesagt werden kann, weil
jede Zeit und jeder Mensch dich und deinen Namen neu finden muss."
Michael Tillmann
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Weil wir als Christen etwas zu sagen haben
Wenn
am Aschermittwoch die Fasten- und Passionszeit beginnt, die sechswöchige
Vorbereitungszeit
auf Karfreitag und Ostern, dann hat diese Zeit zunächst einen
sehr persönlichen, privaten Charakter.
Ob und wie ich faste, mich vorbereite, mein Leben ändere
und umkehre, ist meine ureigenste Angelegenheit.
Auch wenn die Kirchen mehr oder weniger verbindliche "Anleitungen"
oder Vorschläge machen, entscheide ich selbst über "mein
Fasten" und bin auch nicht bereit, irgendjemandem darüber
Rechenschaft zu geben.
Doch zugleich hat die Fasten- und Passionszeit einen öffentlichen
Anspruch; ist Gelegenheit und Herausforderung gesellschaftliche
Entwicklungen infrage zu stellen und ggf. zu kritisieren:
Wie kann es zum Beispiel sein, dass bei der Finanzkrise im letzten
Jahr innerhalb von wenigen Tagen Milliarden Euro zur Verfügung
standen, die Milliarden zu einer wirkungsvollen Bekämpfung
des wieder wachsenden Hungers weltweit aber nicht aufgebracht
werden können und viele der Kinder unterhalb der Armutsschwelle
leben?
Wie kann es sein, dass immer und immer wieder notwendige ökologische
Maßnahmen mit dem Hinweis auf die Gefährdung von Arbeitsplätzen
blockiert werden und die Gier weniger Banker Hunderttausende Arbeitsplätze
bedroht?
Das mag sich jetzt alles sehr populistisch anhören, müsste
bestimmt viel differenzierter betrachtet werden und vieles gäbe
es zu bedenken und zu sagen - mit der Folge, dass am Schluss gar
nichts mehr gesagt wird?
Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz Erzbischof
Robert Zollitzsch - und sinngemäß auch Vertreter anderer
Konfessionen - hat zur gesellschaftlichen Rolle deutlich Stellung
bezogen: "Weil es um den Menschen geht, ist es wichtig, uns
als Kirche zu Wort zu melden.
Weil wir als Christen dieser Welt etwas zu sagen haben, dürfen
wir uns nicht verstecken oder in eine binnenkirchliche Kuschelecke
zurückziehen.
Es ist unsere Aufgabe, Zeugnis in der Welt abzulegen, uns unerschrocken
einzusetzen für das, was der Mensch zutiefst braucht, wovon
er lebt, und was weit über dem materiellen Gewinn steht."
Weil wir als Christen dieser Welt etwas zu sagen haben
- die Fasten- und Passionszeit lädt dazu ein, über die
öffentlichen Aufgaben eines Christen nachzudenken und sie
dann auch anzupacken - auch
über Ostern hinaus.
Michael
Tillmann
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Zeitsignale
Plädoyer für einen leisen Jahresanfang
Jahresanfänge
sind vollmundig - die privaten wie die öffentlichen. "Im
neuen Jahr werde ich
" und dann folgt eine mehr oder
weniger lange Liste sogenannter Vorsätze.
"Im neuen Jahr müssen wir
", beginnen viele
Reden von Politikern oder Wirtschaftsführern und darauf folgt
eine mehr oder weniger lange Liste von dem, was die Bürgerinnen
und Bürger im neuen Jahr leisten oder worauf sie verzichten
sollen.
Beide "Litaneien" leiden - so glaube ich - oft an einer
weitverbreiteten Volkskrankheit: Sie sind nicht glaubwürdig.
Das "Schicksal" vieler Vorsätze ist den allermeisten
nur allzu bekannt. Unglaubwürdig sind leider aber auch oft
die Forderungen, die an andere gestellt werden, denn der Fordernde
meint oft nicht sich selbst.
Alle meinen, dass alle sparen müssen und die Gesellschaft
umgebaut werden muss - aber viele wehren sich dann, wenn es bei
ihnen so weit ist. Alle meinen, dass Flüsse und Wälder
sauber gehalten werden müssen - und viele sind überhaupt
nicht bereit, das eigene Leben dafür etwas umzugestalten.
Alle schimpfen auf dieses und jenes - aber nur wenige beginnen
mit den Veränderungen.
Viele sind gerne gegen dies und für das - aber nur nicht
bei ihnen selber.
Man könnte es wirklich eine Volkskrankheit nennen, dieses
seltsame Spiel mit Meinungen, die man schon lange hat, aber trotzdem
nicht umsetzt.
Es gibt viele und schnelle und große Aufgeregtheiten - aber
ebenso schnell sind sie wieder vergessen, obwohl gar nichts verändert
wurde.
Deshalb möchte ich für einen leisen Jahresanfang plädieren.
Sich seiner selbst nicht so sicher zu sein und vorsichtig mit
dem, was ich von anderen erwarte. Zuallererst mich selbst fragen,
ob mein Reden und Handeln übereinstimmen.
Der Schriftsteller Julien Green (1900-1998), der zeitlebens nach
Gott fragte und ihn suchte, schrieb mit knapp 50 Jahren (2. Mai
1949) in sein Tagebuch: "Solange sich in uns Protest gegen
uns selbst regt, besteht noch Hoffnung.
Nur wenn man sich akzeptiert, ist die Sache verloren. Anders gesagt
(wollte ich ein Wortspiel machen): Solange man beunruhigt ist,
darf man beruhigt sein." Das hat es in sich, finde ich. Solange
man beunruhigt ist (über sich selbst), darf man beruhigt
sein.
Mit einer Beunruhigung über mich selbst in das neue Jahr
zu starten, das lässt mich skeptisch sein in Bezug auf das,
was ich von mir selbst erwarte, ohne in eine gemütliche Bequemlichkeit
zu flüchten, weil mit mir ja sowieso alles in Ordnung sei.
Beunruhigung über mich selbst bewahrt mich aber auch davor,
zu viel von anderen zu verlangen; insbesondere solches, was ich
selbst nicht zu leisten bereit bin.
Deshalb plädiere ich für einen leisen Jahresbeginn,
der mit Fragen beginnen sollte: Tue ich das, was ich sage?
Rede ich so, wie ich handle? Bin ich glaubwürdig?
Und nicht mit lauten Gewissheiten und erst recht nicht mit vollmundigen
Ankündigungen oder Forderungen. Ein Jahr - so glaube ich
- verläuft besser, wenn es vorsichtig und behutsam beginnt;
nicht mit angeblich unverrückbaren Sicherheiten, sondern
mit Fragen. "Solange man beunruhigt ist, darf man beruhigt
sein."
Michael Tillmann
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L'EPICERIE
DU PARADIS.
Je marchais sur le chemin de la vie, il y a déjà longtemps.
Un jour j'ai vu une enseigne sur laquelle
j'ai lu : " ÉPICERIE DU PARADIS". Comme je m'approchais,
la porte s'ouvrit et je me trouvais à l'intérieur.
J'ai vu des légions d'anges un peu partout.
Un d'entre eux me donna un panier et me dit : "Mon enfant,
achète avec soin; tout ce dont un chrétien a besoin
est dans le magasin; tout ce que tu ne peux apporter aujourd'hui,
tu reviendras le chercher plus tard."
Premièrement, j'ai pris de la patience; l'Amour était
dans la même rangée, ainsi que l'accueil de l'A(a)utre.
Un peu plus loin, il y avait de l'entente. J'ai pris aussi une boîte
ou deux de sagesse, un sac ou deux de foi. Je ne pouvais oublier
l'Esprit Saint, il y en avait partout. Je me suis arrêtée
pour prendre de la force, du courage aussi pour m'aider à
gagner la course de la vie.
Bientôt mon panier était rempli, mais j'ai pensé
que j'avais aussi besoin de grâce. Je n'ai pas oublié
le salut, qui était gratuit; j'en ai pris assez pour nous
sauver toi et moi.
Ensuite je suis allée au comptoir pour payer ma facture,
car je croyais bien avoir tout pour m'aider à correspondre
à la volonté de Dieu. Comme je remontais l'allée,
j'ai vu la prière, et je n'ai pas pu m'empêcher d'en
mettre dans mon panier.
Paix et joie étaient en abondance sur la dernière
tablette; chants et hymnes étaient tout près : alors
je me suis servie.
Enfin j'ai dit à l'ange : " Combien te dois-je?"
Il sourit et répond : "Apporte ça partout où
tu vas."
Je souris encore et je dis : " Combien?"
Il me répond en souriant : " Jésus a payé
la facture il y a très longtemps!"
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Zwiegespräch an der Krippe
Da
besuchte der kleine Junge seinen Großvater. Er schaute zu,
wie er an einer mächtigen Krippenfigur schnitzte. Einige
andere standen schon fertig auf dem Tisch.
Als er ein wenig müde seinen Arm auf die Tischkante legte,
merkte er, wie alle Gestalten lebendig wurden. Er war ganz erstaunt,
dass er mit ihnen reden konnte. Und noch mehr.
Hirten, Könige, Maria und Josef waren nicht mehr klein und
er nicht groß, sonder er ging mitten unter ihnen umher,
ohne aufzufallen. Und so ging er mit ihnen in den Stall von Bethlehem
hinein.
Da schaute er das Kind an - und das Kind schaute ihn an.
Plötzlich bekam er einen Schrecken, und die Tränen traten
ihm in Augen. "Warum weinst Du den" fragte das Jesuskind.
"Weil ich Dir nichts mitgebracht habe", sagte der Junge.
- " ich will aber gern etwas von Dir haben", entgegnete
das Jesuskind. - Da wurde der Kleine rot vor Freude. - "
Ich will Dir alles schenken, was ich habe, stammelte er.
Drei Sachen möchte ich von Dir haben", sagte das Jesuskind.
Da fiel ihm der Kleine ins Wort : " Meinen neuen Mantel,
meine elektrische Eisenbahn, mein schönes Buch mit den vielen
Bildern?"
"Nein", erwiderte das Jesuskind, "das alles brauche
ich nicht. Dazu bin ich nicht auf Erde gekommen.
Ich will von Dir etwas anderes haben". " Was den?"fragte
der kleine erstaunt.
Schenke mir Deinen letzten Aufsatz", sagte das Jesuskind
leise, damit es niemand anders hören konnte. Da erschrak
der Kleine.
"Jesus", stotterte er ganz verlegen und kam dabei ganz
nah an der Krippe und flüsterte ; "Da hat doch der Lehrer
ungenügend darunter geschrieben." " Eben deshalb
will ich ihn haben", antwortete das Jesuskind. "Aber
warum denn?" fragte der Junge.
"Du sollst mir immer das bringen, wo 'ungenügend' darunter
steht. Versprichst Du mir das?" "Sehr gern", antwortete
der Junge.
"Aber ich will noch ein zweites Geschenk von Dir", sagte
das Jesuskind.
Hilflos guckte der kleine junge. "Deinen Milchbecher",
fuhr das Jesuskind fort. "Aber den habe ich doch heute zerbrochen",
entgegnete der Junge. "Du sollst mir immer das bringen, was
Du im Leben zerbrochen hast. Ich will es wieder heil machen. Gibst
Du mir das auch?" " Das ist schwer", sagte der
Junge.
"Hilfst Du mir dabei?"
"Aber nun mein dritter Wunsch", sagte das Jesuskind.
"Du sollst mir nun noch die Antwort bringen, die Du Deiner
Mutter gegeben hast, als sie fragte, wie denn der Milchbrecher
kaputtgegangen sei." Da legte der Kleine die Stirn auf die
Kante der Krippe und weinte bitterlich : " Ich, ich, ich..."
brachte er unter Schluchzen mühsam heraus... "Ich habe
den Becher umgestoßen; in Wahrheit habe ich ihn doch absichtlich
auf die Erde geworfen."
"Ja, Du sollst mir immer alle Deine Lügen, Deinen Trotz,
Dein Böses, was Du getan hast, bringen", sagte das Jesuskind.
"Und wenn Du zu mir kommst, will ich Dir helfen; ich will
Dich annehmen in Deiner Schwäche; ich will Dir immer neu
vergeben; ich will Dich an Deiner Hand nehmen und Dir den Weg
zeigen. Willst Du Dir das schenken lassen?"
Und der Junge schaute, hörte und staunte...
( nach Walter Baudec).
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Betrachtung zu Advent und Weihnachten
Im Evangelium am 4. Adventssonntag heißt es: "Im sechsten
Monat wurde der Engel Gabriel
von Gott zu Maria gesandt", sechs Monate nach der Empfängnis
Johannes des Täufers.
Jüdische Zahlenmystik bringt die ersten sechs Monate einer
Schwangerschaft in Verbindung mit den sechs Schöpfungstagen.
Während sechs Tagen wurde die Schöpfung zubereitet wie
ein Mutterschoß, damit am sie Ende des sechsten Tages ein
neues Wesen, den Menschen, aufnehmen konnte, diesen Menschen, der
geschaffen wurde nach Gottes Ebenbild, ausgestattet mit dem göttlichem
Hauch, dem göttlichen Atem.
Aber dann wären dieser jüdischen Zahlenmystik zufolge
noch drei Tage von Nöten gewesen, damit der Mensch sich diese
Gottebenbildlichkeit vollends aneignen konnte.
Die Schöpfung hätte eigentlich neun Tage dauern sollen,
wie auch eine Schwangerschaft neun Monate dauert.
Jeder Schwangerschaftsmonat hätte so sein Urbild in einem Schöpfungstag
gehabt.
Aber der Mensch wird diesen ursprünglichen Schöpfungsplan
Gottes kippen.
Der 9. Tag wird nicht kommen.
Die Schöpfungsgeschichte berichtet uns noch vom 7. Tag: Da
ruhte Gott, und er freute sich an seiner Schöpfung, besonders
am Menschen, und er wartete sehnsüchtig darauf, dass der Mensch
nun seine Freiheit nutze, um zu Ihm, seinem Gott, emporzusteigen,
ganz göttlich zu werden.
Wir hätten dann die heile, die vollendete Schöpfung gehabt:
Der Mensch, der seinen Gott schaut von Angesicht zu Angesicht. Aber
der erste Mensch, Adam und Eva, werden dem Versucher erliegen:
Statt sich an Gott zu erfreuen, wollen sie wie Gott sein.
In Maria und Elisabeth macht Gott einen Ansatz von Neuschöpfung.
Elisabeth ist im sechsten Monat schwanger, sechster Monat, sechster
Schöpfungstag, kritischer Tag, Gott erschuf den Menschen und
entließ ihn vertrauensvoll in die Freiheit. Aber diesmal,
im sechsten Schwangerschaftsmonat, wird er eingreifen. Er tut es
nicht direkt bei Elisabeth. Vielleicht war sie doch schon zu alt.
Der Engel Gabriel wird nach Nazareth geschickt zu einem jungen Mädchen,
Maria.
Stellvertretend wird sie erneut vor die große Frage der Menschen
gestellt: "Willst du groß werden mit Gott oder ohne ihn?
Willst du einsteigen in seinen großen Plan, den vollendeten,
geisterfüllten Menschen hervorzubringen - für Gott ist
alles möglich, auch das - oder willst du deine Freiheit außerhalb
suchen? Frei mit Gott für die Menschen, für dein Volk
oder frei von Gott, nur für dich"?
Es wird ihr ein Kind verheißen, das ganz aus dem Geist kommt
und auch ganz aus dem Geist leben wird. "Er wird groß
sein, Sohn des Allerhöchsten genannt werden; er wird der wahre
König und Herrscher von Israel sein, die Kinder Adams und Evas
wieder auf den richtigen Weg bringen, die Menschen an ihre ursprüngliche
Berufung heranführen, wozu sie erschaffen wurden, und wozu
ihnen das königliche Geschenk der Freiheit gegeben wurde."
Der kleine Johannes wird es schon in der Enge des Mutterschoßes
erfahren.
Er wird vor Freude hüpfen, als Maria in seine Nähe kommt.
Die letz-ten Schwangerschaftsmonate werden für ihn eine geisterfüllte
Zeit sein. Er deutet schon etwas an von dem großartigen Neuen,
das im Kommen ist. Bei seiner Geburt werden alle staunen, denn es
war deutlich, dass Gott das seine Hand im Spiel hatte.
In der Lesung hörten wir eben die letzten Sätze des Römerbriefes.
In diesem Brief hat Paulus sein Evangelium, wie er es nennt, das
Evangelium von Jesus Christus, wie es ihm offenbart wurde, lang
und breit dargelegt. Und er schließt mit einem Lob- und Jubelgesang:
"Preis und Dank sei Gott!
Er kann euch stark machen.
So bezeugt es das Evangelium, das ich verkünde, die Botschaft
von Jesus Christus.
Sie offenbart den geheimen Plan, das verborgene Ziel der Weltgeschichte;
seit Urzeiten wurde es verborgen gehalten, jetzt ist es aber enthüllt
worden. Alle Völkern soll es bekannt gemacht werden, dass sie
Gott vertrauen können und auf ihn hören. Ihm, dem allein
Weisen, gehört die Herrlichkeit durch Jesus Christus in Ewigkeit!"
Gott hat wiederum einen ganz neuen Anfang gemacht.
Advent und Weihnachten laden ein, einzusteigen, damit der 8. und
9. Tag der Schöpfung endlich zustande kommen.
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Prière
pour la Toussaint
Nos frères, qui êtes au cieux
Vous,
nos morts, où êtes-vous?
Pas dans la terre,
pas
sous la froideur de la pierre,
vous êtes chaque jour avec nous
et vous nous donnez la main;
Seigneur,
donne-nous la grâce
de vivre en union avec ceux
que nous avons aimés sur Terre
et qui sont déjà entrés sans ta lumière,
dans l'attente de la Résurrection.
Que
restent vivants en nous
la joie, les peines, les conflits
et la réconciliation partagés.
Que nous sachions expérimenter
la force de l'amour fraternel
lorsqu'ils nous portent dans la prière,
que nous sachions demander
que nos frères dans la foi
de nous aimer, surtout
lorsque nous vivons
des moments difficiles.
Que
grâce te soit rendue, Seigneur,
pour le soutien de cette communion
qui fait grandir la fraternité
au Ciel et sur la Terre
en nous menant vers ton Royaume.
Prier n° 296 - novembre 2007
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"Ex
und hopp"
Ein Grund, warum wir den Tod eines geliebten Menschen als so schmerzhaft
empfinden, ist die Endgültigkeit des Abschieds, die mit der
Tatsache, dass wir sterben, verbunden ist.
Wir werden diesen einen Menschen in diesem Leben nicht mehr wiedersehen,
wir werden nicht mehr mit ihm lachen, sein Rat wird uns fehlen,
genauso wie die Streitgespräche und Konflikte, die zum Leben
dazu gehören.
Um diese Tatsache zu begreifen, sollten Trauernde sich Zeit nehmen
und auf gar keinen Fall die Beerdigung schnell hinter sich bringen.
"Begreifen" bedeutet für mich im wahrsten Sinne des
Wortes eine sinnliche Erfahrung machen.
Raum und Zeit sind hier wichtig. Raum, in dem ich mich mit dem Toten
aufhalten kann und Zeit für einen Abschied, der Trauerrituale
möglich macht.
Manchmal sitzen Trauernde dann einige Tage später vor einem
Sarg oder einer Urne und können nicht fassen, dass da der Verstorbene
drin sein soll. Es wird viel zu oft zu einer schnellen "Entsorgung
und Beseitigung des Problems" geraten.
In meiner Wertewelt ist der Tod kein "Problem". Der Tod
lehrt uns das Leben zu schätzen und zu lieben. Er lässt
uns begreifen, dass das Leben endlich ist und jede Minute kostbar.
Also lassen Sie sich im Trauerfall nicht drängen. Wenn Sie
das Gefühl haben, mehr Zeit für den Abschied zu brauchen,
nehmen Sie sich die Zeit. Sie werden spüren, wenn es an der
Zeit ist, den Leichnam wegzugeben. Entscheiden Sie selbst, auch
über die Art der Bestattung.
Die Ex und hopp Mentalität, die in vielen Lebensbereichen Einzug
gehalten hat, wird auf den Todesfall und die Trauer übertragen.
Mit fatalen Folgen. Der Moment des Abschieds ist unwiederbringlich.
Nehmen Sie sich Zeit dafür. Lassen Sie sich Ihre Toten nicht
stehlen!
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Sich
verändern
Einst kam einer der Gerechten nach Sodom, um dessen Einwohner vor
Sünde und Bestrafung zu retten.
Tag und Nacht ging er durch die Straßen und über die
Märkte und predigte gegen Habgier und Diebstahl, Falschheit
und Gleichgültigkeit.
Am Anfang hörten die Menschen noch zu und lächelten ironisch.
Dann hörten sie ihm nicht mehr zu: Es belustigte sie nicht
einmal mehr.
Die Mörder fuhren fort zu morden, und die Weisen schwiegen,
als ob kein Gerechter in ihrer Mitte weilte.
Eines Tages näherte sich ihm ein Kind, das voller Mitleid für
den unglücklichen Prediger war, und sprach
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"Armer
Fremder. Du schreist, du verausgabst deinen Körper und deine
Seele, siehst du denn nicht, dass es völlig zwecklos ist?"
"Ja, ich sehe es", antwortete der Gerechte. "
Warum machst du dann immer weiter?"
"Ich sage dir warum.
Am Anfang dachte ich, ich könnte die Menschen ändern.
Heute weiß ich, ich kann es nicht.
Wenn ich immer noch schreie, wenn ich immer noch weine, dann um
zu verhindern, dass die Menschen am Ende mich verändern."
Elie
Wiesel
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Kultur
der Aufmerksamkeit
Herr, es kommt weniger darauf an,
an einem Tag etwas Großes zu tun,
als an vielen kleinen Tagen
viele kleine Dinge gut zu tun.
Darum hilf mir
in der täglichen Einübung
einer Kultur der Aufmerksamkeit,
der Versöhnung und des Wohlwollens.
Lass mich einfach menschlicher werden,
um christlicher zu werden.
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Gezähmte
Beter
Wie
haben Menschen
doch früher gebetet!
Ich lese im Psalm 77:
"Ich rufe zum Herrn
ja, ich schreie zu ihm!
Des Nachts erhebe ich meine Hände,
meine Seele will sich nicht trösten lassen!"
Im Buch Judit heißt es:
"Und das ganze Volk
fiel auf sein Angesicht
und schrie um Hilfe."
Denn sie waren eingeschlossen.
Die Assyrer hatten die Brunnen besetzt,
die Zisternen waren leer,
weit und breit keine Wolke, kein Wasser!
Sie konnten die Tage zählen,
bis die letzten verdurstet sein
und die Israeliten tot
in die Hände der Assyrer fallen würden.
Da schrien sie zum Herrn,
und sie wurden gerettet.
Und wie ist unser Gebet?
Wir brauchen Gebetbücher,
Vorlagen und Formeln!
Was beten wir?
Wie beten wir?
Rufen und schreien wir zu Gott?
Wir haben Regeln entwickelt,
wie, wann und was gesagt werden darf!
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Was
schnürt
uns die Kehle zu?
wer nimmt uns die Möglichkeit,
unseren Zorn, unsere Verbitterung,
unseren Ärger auch über Menschen
und über das Nichteingreifen Gottes
auszudrücken?
Wir schreien nicht,
wir sagen unsere Gebete auf!
Wir brauchen vor Gott
nichts zu verdrängen!
Vor ihm können wir sein,
was wir sind:
Weinende,
Verzweifelte,
Klagende,
Tobende,
Lachende,
Feiernde,
Singende,
Tanzende!
Warum wollen wir vor Gott
bestimmte Seiten unseres Wesens
verbergen?
Er will im Gebet
lebendigen Menschen,
nicht Mumien
begegnen.
Martin
Gutl
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Meditation
Wenn Kirche und Glauben in unserem Land lebendig bleiben sollen,
wird es immer wichtiger, dass wir Christen den Mut haben, uns auf
unser eigenes Wesen zu besinnen - auch gegen die Meinung unserer
Umwelt.
Chrisen müssen Aussteigertypen sein. Wie Petrus dürfen
wir nicht im gemeinsamen Boot vager Lebensentwürfe und unverbind-licher,
religiöser Nettigkeiten sitzen bleiben.
Es ist unsere Berufung, uns auf Christus einzulassen, wie Petrus
über das Wasser der Glaubenszweifel, der Gleichgültigkeit
und der Bequemlichkeit zu ihm zu gehen.
Es kann nicht verwundern, dass diese Wasser uns wie Petrus zu verschlingen
drohen.
Auch Petrus kannte die Angst unterzugehen. In einer Zeit, in der
wir Christen in unsrem Glauben nicht mehr von der Umwelt getragen
werden, ist es umso notwendiger, dass wir wie Petrus Christus nicht
aus den Augen verlieren.
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Meditation
Jesus fuhr in eine einsame Gegend, um allein zu sein." Er
hat Not und Sehnsucht nach Ruhe und Stille. Es kommt dieses Mal
nicht dazu.
Die Leute sind ihm nachgegangen, und er lässt sich auf sie
ein. Aber das bedeutet nicht, dass Ruhe und Stille immer hintan
stehen sollen und nie zu ihrem Recht kommen dürften. Die
Kirchen sind Orte, die den lieben langen Tag zu Ruhe und Stille
einladen.
Die Kirchen sind nicht nützlich, nicht praktisch, sie verlangen
nicht nach unmittelbarer Aktion und erfordern keine schnelle Antwort.
Sie sind Räume ohne laute Geräusche, ohne ungezügelte
Bewegungen oder ungeduldige Gesten. Sie sind stille Räume,
die meiste Zeit seltsam leer.
Sie sprechen eine andere Sprache als die Welt um sie herum. Sie
möchten keine Museen sein.
Sie möchten uns einladen, still zu sein, zu sitzen oder zu
knien, aufmerksam zu hören und mit unserem ganzen Wesen auszuruhen.
Eine Stadt ohne sorgsam gehütete Räume, in denen die
Stille, aus der alle Worte erwachsen, zu spüren ist, die
Stille, die zu Taten ermuntert, eine solche Stadt ist in Gefahr,
ihren wahren Mittelpunkt zu verlieren.
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Gerechtigkeit
Verzeiht
einer Motte dies offene Wort.
Aber, Ihr Menschen seid schon seltsame Wesen!
Ihr haltet mich für hässlich: Mit meinen winzigen, gelb
glänzenden Flügeln. Bewimpert.
Dachartig über den Rücken gefaltet. Für Euch bin
ich ein Schädling, kein Schmetterling.
Etwas, nach dem man schlägt. Euch dagegen haltet Ihr für
die Krone der Schöpfung, unglaublich!
Nicht mal fliegen könnt Ihr. Und dabei nehmt Ihr Euch so
wichtig.
Bodenständig wie Ihr seid, sorgt Ihr Euch vor allem darum,
Schätze zu sammeln.
Ihr hortet Kleider.
Wie schon zu Zeiten meiner Vorväter. Damals waren kostbare
Stoffe und prächtige Gewänder ausgesprochene Wertgegenstände.
Hmmm, welch ein leckerer Fraß!
Den hätte ich gerne gehabt. Meine Ahnen waren königliche
Motten!
Die wohnten in der Kleiderkammer des Königs Herodes.
Da gab es richtig was zu beißen. Nahrung für alle mehr
als genug!
Ihr könnt es Euch gar nicht vorstellen: diese Unzahl an Prunkgewändern
voller Gold und Edelsteine. Kostbare Linnen und Purpur, das war
delikat!
Der große Herodes hatte nur Interesse an Macht, Einfluss
und Reichtum.
In der königlichen Kleiderkammer häufte er edle Stoffe
an - und meine Sippe hat sie einfach vertilgt! Bizarr.
Da kann ich als Motte nur sagen: Jesus hat recht: Was habt Ihr
Menschen davon, wenn Ihr Kleider anhäuft, die wir Motten
zerfressen?
Und mit den anderen Schätzen ist es ähnlich: Ihr rafft
sie zusammen, dann plötzlich bricht ein Dieb ein und raubt
sie, oder sie werden ein Fraß des Rostes.
Aber wir Motten werden totgeschlagen, wenn wir mal dran naschen.
Das ist ungerecht.
Vor allem, wenn diese Schätze eigentlich gar nicht Euch selbst
zustehen.
Meine Vorfahren haben schon erzählt, dass solche Leute wie
Herodes nur deshalb so schöne Kleider hatten, weil er andere
dafür versklavte.
Heute ist das alles ja noch viel komplizierter. Ich muss mich
mit Jeans und Baumwollhemden zufrieden geben, weil die Schätze
heute nicht in Brokat, sondern in Steueroasen gesammelt werden
in Liechtenstein, in Monaco oder sonstwo.
Da regt Ihr Menschen Euch über ein kleines Mottenloch auf
und gleichzeitig duldet Ihr solche Steuerlöcher. Und dann
habt Ihr so hässliche Dinge wie Sozialabbau und Arbeitsplatzverlagerungen
nach Südostasien oder nach Rumänien.
Eine kleine, schlichte Motte kommt da gar nicht mehr mit!
Heuschrecke müsste ich sein, um das zu verstehen. Die Heuschrecken
sind ja bei Euch die Spezialisten der Finanzmärkte mit unersättlichem
Appetit. Und Eure Heuschrecken sind im Begriff, sich zu einer
ausgewachsenen Plage zu entwickeln...
Nun, gut. Ich habe von den Reichen Eurer Spezies geredet. Indes,
Ihr anderen? Seid Ihr soviel klüger? Warum träumen viele,
wie diese Reichen zu sein?
Ich werde Euch mit meinen Löchern immer auf die Nerven gehen.
Also wenn Ihr mich los werden wollt, dann solltet Ihr nicht Gift
im Kleiderschrank verpulvern, sondern es mit dem halten, an dessen
Kleidern meine Art nie was gefunden hat: Jesus.
Der sagt: Es kommt auf die himmlischen Schätze an.
Diese Schätze können weder ich noch eine Riesen-Motte
fressen. Und auch kein Meisterdieb kann sie stehlen. Kümmert
Euch daher zuerst um die Schätze Gottes, seine Gerechtigkeit
und sein Reich, alles andere wird Euch dazugeschenkt!
Und denkt doch auch mal so: Vor Gott zählen die Dinge, die
man mit anderen teilt!
Das sind wahre Schätze.
Daher: Lebt solidarisch! Teilt Eure Schätze, auch mit mir,
damit alle genug zum Leben haben!
So predigte Jesus. Wer seine Schätze teilt, der teilt auch
sein Herz.
Verzeiht einer einfältigen Motte diese stoffreiche
Gardinenpredigt!
Quelle:
Katholisches Rundfunkreferat NRX - Radiosendung vom 7.8.2008
Autor: Pfarrer André Müller |
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