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Das Wort zum Sonntag


Liebe Pfarrfamilie,

Das Evangelium des kommenden Sonntags beschreibt einen typischen Tag im Leben Jesu: er ist mit seinen Jüngern zusammen, heilt die Schwiegermutter des Petrus, wird bedrängt von weiteren Kranken und Besessenen und zieht sich dann in aller Frühe an einen einsamen Ort zurück, um zu beten.
In seiner Menschlichkeit braucht auch Jesus Momente der Ruhe, des Innehaltens und Auftankens, um weiterhin Heil schenken zu können.
Damit wird zweierlei deutlich: Jesu Kraftquelle liegt in Gott, den er in der Stille sucht und mit dem er Zwiegespräch hält und zweitens, wer gibt, muss auch Zeiten des Auftankens, des Empfangens kennen.
Ob nicht deshalb viele Menschen an Depression und „Burn-out-Syndrom“ leiden, weil sie nur immer leisten und geben (müssen?) ohne eine Quelle, einen Ort des Auftankens zu finden.
„Wer nicht mehr genießt, wird ungenießbar“, las ich einmal auf einer Karte.
Gönnen wir uns also Auszeiten, Zeiten in denen wir nichts „leisten“ müssen, sondern neue Kraft finden bei Gott, dem Schöpfer und Erhalter unseres Lebens.
Der sonntägliche Gottesdienst könnte dazu eine gute Gelegenheit sein!

Einen schönen Sonntag und eine gute Woche wünscht

Euer Dechant


AUSGELEGT!

Markus 1,29-39

„Er heilte viele“ und: „Alle suchen dich.“ Diese beiden Sätze aus dem heutigen Evangelium irritieren mich.
„Alle suchen dich“, das mag vielleicht in der ganz konkreten damaligen aktuellen Situation so gewesen sein; automatisch übertragbar und verallgemeinerbar auf heute ist das sicher nicht. Und dann der andere Satz: Warum heilt er nicht alle, wo es doch eigentlich die Grundsehnsucht fast aller Menschen ist, heil und geheilt zu sein.
Ich weiß es auch nicht, warum Jesus nicht alle heilt; da bleiben mir der Gott Jesus und seine Wege verschlossen. Aber ich habe eine Vermutung.
Meine Vermutung ist, dass Jesus da sehr Mensch ist, nämlich dass er keine Heilungsmaschine und kein „Superman“ ist, sondern dass auch er angewiesen ist auf Hoffnung und Akzeptanz, auf geliebt und verstanden werden.
Und ich habe noch eine Vermutung: Nämlich, dass Jesus manchmal ganz schön überraschend sein kann und unberechenbar. Wo er wen wann heilt, das ist nicht voraussagbar und berechenbar; das ist und bleibt in der Logik Gottes. Das ist Gnade.
Und ich möchte offen und bereit sein, um Gottes Heil und Heilung zu erwarten und anzunehmen.

Christine Rod MC


Da hilft nur noch beten!

Hilft es wirklich? Wenn kein Arzt mehr helfen kann, weil die Krankheit schon ganz und gar Besitz ergriffen hat vom Kranken? Wenn das Schiff leck geschlagen ist und zu sinken beginnt? Wenn die Firma vor dem Konkurs steht und alle nur noch eines von einem wollen: Geld? Wenn nichts mehr hilft, hilft dann das Gebet?

Mag sein, dass dieser Satz auch heute manchmal noch mit ehrlicher Hoffnung über die Lippen kommt. Doch meistens ist er wohl eher Ausdruck absoluter Resignation: Wo nur noch beten hilft und sonst gar nichts mehr, da ist eigentlich alles schon gelaufen.

An der Kraft des Gebetes hat man übrigens auch früher schon gezweifelt. In der Bibel gibt es einen Brief, den ein gewisser Jakobus geschrieben hat. Er ist an eine Gemeinde gerichtet, die im wahrsten Sinne des Wortes vom Glauben abgefallen war. An einer Stelle des Briefes gibt Jakobus dann ein fast schon trotziges Statement ab: „Das Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.“

Das ist ein ganz unscheinbarer Satz, und doch steckt darin mindestens eine doppelte Wahrheit: Erstens nämlich der Hinweis darauf, dass es einem schon ernst sein muss mit dem Beten. Wer das Gebet ernst nimmt, der nimmt sein Anliegen ernst und damit natürlich zugleich sich selbst. Wer so betet, weiß immerhin schon, dass er Hilfe braucht. Und oft hilft einem ein solches Gebet auch, sich im Angesicht Gottes durchsichtiger und klarer zu werden und wieder Raum zu gewinnen und Luft zum Atmen. Ein frommes Zwiegespräch ermöglicht eben eine größere Tiefe der Selbsterkenntnis als ein bloßes Selbstgespräch. Das ist das eine.

Man kann den Satz noch anders lesen. Dann ginge es nicht um die Ernsthaftigkeit des Gebets, sondern um den Ernst der Lage: Wenn’s ernst wird, dann hilft eben auch beten. Und zwar deswegen, weil man sich selbst und das, was einen bedrückt, im Gebet jemandem anvertraut. Man wirft es auf Gott und hat selber weniger zu tragen. Wer sich Gott im Gebet zum Vater nimmt, der kann wieder Kind sein. Und so, wie ein Kind sich in den Armen der Mutter oder des Vaters geborgen und beschützt weiß, so kann es auch dem gehen, der betet: Gewiss zu sein, darauf zu vertrauen (oder auch nur zu hoffen), dass ich nicht tiefer fallen kann als in Gottes Hand – das ändert zwar nichts an der Realität, aber es ändert doch etwas daran, wie ich mit ihr umgehen kann. Strampeln muss ich immer noch, aber ich gehe in Gottes Namen nicht unter.

Nils Kiesbye



WARUM KANN ICH GOTT NICHT SEHEN ?

Vielleicht spielst du auch gern: „Ich sehe was, was du nicht siehst“.
Du hast einen bestimmten Gegenstand im Blick und die anderen müssen raten, welchen
 Gegenstand du ins Auge gefasst hast.
Wenn es um den lieben Gott geht, müsste das Spiel heißen: „Du siehst nicht, was ich auch nicht sehe.“ Denn kein lebender Mensch hat Gott jemals angucken können. Trotzdem glauben viele, dass sie Gott begegnet sind. Nur „richtig“ gesehen, wie du deine Mutter ansehen kannst, haben sie ihn nicht.

Aber wir können uns Gott vorstellen. Warum ist das so? Es steht ganz am Anfang des Buches, in dem die Geschichte Gottes mit uns Menschen aufgeschrieben ist, in der Bibel. Darin ist beschrieben, wie Gott den Menschen erschaffen hat. Das wird vielleicht in deiner Kinderbibel auch erzählt. Der Text sagt, dass Gott den Menschen „nach seinem Bild“ erschaffen hat. Wir haben also guten Grund zu glauben: Wenn wir Gott ähnlich sehen, dann sieht er auch uns ähnlich. Aber er ist sehr viel größer, sehr viel heller. Darum steht in der Bibel auch: Wir sollen uns kein Bild von ihm machen. Egal, wie wir ihn darstellen, er sieht vermutlich noch einmal ganz anders aus. Das ist gut so. Denn Gott muss uns ja immer noch überraschen können. Zum Beispiel damit, dass er seinen Sohn schickt. Und der wiederum sah uns sehr ähnlich.

Angela M. T. Reinders



Der Alltag wird zum Abenteuer

Mit dem Zug zum Abendessen nach Paris, mit dem Billigflieger zum Shoppen nach Mailand oder im Internet mit wer-weiß-wem wer-weiß-wo chatten – alles kein Problem!
Den Globus bereisen mit leichtem Handgepäck. Die Welt ist ein Dorf!

Alles Augenwischerei. Mag die Welt ein Dorf geworden sein; unser Dorf, sprich die Umgebung, in der wir leben, wird vielen dagegen immer fremder. Weltbürger möchten wir sein, oder doch zumindest Europäer, dabei wäre uns allen schon viel geholfen, wenn es wieder mehr bessere Nachbarn gäbe (natürlich gibt es die – Gott sei es gedankt – noch, doch seien wir ehrlich, auch im ländlichen Bereich werden sie seltener, von Städten ganz zu schweigen).

Mir kommt diese Fernweh-Exotik-Romantik oft wie eine Flucht vor, eine Flucht vor der Banalität, dem Unaufgeregten, dem Alltäglichen, das uns umgibt. Natürlich ist es toll, fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen; natürlich sind Kontakte via Internet zu Menschen anderer Kontinente aufregend – doch das ist das Besondere und darf uns nicht den Blick verstellen, für den Ort, wo Gott uns hingestellt hat und wo wir eine Aufgabe haben.
Leider sind manchmal auch die Kirchen von diesem Besonderheits-Bazillus befallen. Doch ich kann nicht Christ nur auf Kirchen- und Weltjugendtage oder auf dem Jakobsweg sein. Christ bin ich im Alltag, mag er auch noch so grau und dröge erscheinen.

Ich schreibe bewusst erscheinen, denn meiner Ansicht nach gilt das, was André Heller in dem Lied „Die wahren Abenteuer sind im Kopf“ gesungen hat: „Die wahren Abenteuer sind im Kopf, und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.“ Jede Fernreise wird banal, wenn ich nicht Fantasie, Glaubensbegeisterung, Enthusiasmus und Freude im Kopf mitnehme. Und genau mit dieser Fantasie und Begeisterung kann auch jeder Alltag zum Abenteuer werden.

Michael Tillmann






GEBET


O Herr, ich danke dir für diesen Tag,
für alles was er bringen mag.
Mein Leben liegt in deiner Hand,
was mich bedrückt ist dir bekannt.
Trifft mich ein Leid, führ’ mich hindurch
befreie mich von jeder Furcht.
Lass mich mit Augen der Liebe sehen,
und meinen Nächsten besser verstehen.
Lass mich helfen wo ich kann
und nie denken, was gehen mich andere an.
Lass alle Menschen Freunde werden,
dass Friede wird auf dieser Erde.
Beschütze alle Lieben mein,
lass sie in dir geborgen sein.
Verzeih’ mir meiner Sünden Schuld,
und meines Herzens Ungeduld.
Doch vor meinem Bitten und Flehen,
Herr, soll stets dein Wille stehen.
Ich danke dir für diesen Tag,
für alles, was er bringen mag.
Und sollte es mein letzter sein,
sei gnädig mir und führ mich heim.




Hl.Stephanus 2010

Fürbitten:

P. Stephanus hat bei seinem Tod den Himmel offen gesehen
und für seine Verfolger gebetet. Herr, Jesus Christus, wir bringen unsere Bitten vor dich: 

  1. Wir beten für die vielen Christen auf der ganzen Welt,
    die um ihres Glaubens willen verfolgt werden. Stärke sie und gib ihnen die Kraft  bis zum Ende standhaft zu bleiben.           V. Christus, Heiland der Welt
  2. Wir beten für alle Christen, die um ihres Glaubens willen
    aus ihrer Heimat vertrieben worden sind. Lass sie Menschen finden, die ihnen beistehen und eine neue Heimat geben.        V. Christus, Heiland der Welt
  3. Wir beten für alle Menschen, die mit der Frohen Botschaft von der Menschwerdung Gottes nichts mehr anfangen können.
    Zeige ihnen, dass du der Retter und Erlöser bist, der Himmel und Erde miteinander versöhnt hat.   
    V. Christus, Heiland der Welt
  4. Wir beten für alle Menschen,  die sich nach Gerechtigkeit und Freiheit sehnen. Schenke ihnen dauerhaften Frieden.    
    V. Christus, Heiland der Welt
  5. Wir beten für alle Menschen,  die ihren Lebensweg vollendet haben. Lass sie am ewigen Leben teilhaben, das du denen bereitest, die zu dir stehen.   V. Christus, Heiland der Welt

P. Herr, du hast deine Jünger aufgefordert, sich keine Sorgen zu machen. Dir übergeben wir unsere Sorgen  im Vertrauen, dass du die Deinen rettest. Der du lebst und herrschest in alle Ewigkeit.

Als ich ein Stein wurde

Als ich ein Stein wurde,
hörte ich auf zu schreien.
Ich ließ mich treten,
schrie aber nicht mehr, wenn ich getreten wurde,
kollerte aber immer wieder in anderer Leute Wege.
Auch wenn sie über mich hinweggingen,
spürte ich nichts mehr,
aber ich zwang sie, über mich hinwegzugehen,
das war meine Genugtuung.

Ich weise niemandem mehr den Weg,
das überlasse ich Meilensteinen und Menschen.
Ich lasse stolpern,
mehr kann ich nicht machen.

Endlich bin ich so hart gegen mich,
wie es nötig ist zum Überleben.
Die Tritte lasse ich über mich hinweggehen,
das Beiseitestoßen halte ich aus,
endlich.

Ich bin eins mit der Natur,
und meine Bedürfnisse sind gering.
Der Schlamm bedeckt mich, wenn mich friert,
der Schnee tut im Winter ein übriges.
Der Regen wäscht mich,
die Sonne trocknet mich.









Muss man das Christentum verteidigen - und gegen wen?

Immer wieder schaffen Bücher den Platz unter die Bestseller, die das Ende der christlichen Religion oder der Religionen überhaupt zum Thema haben. J
Je nach Autor unterscheiden sich die Blickwinkel und Ansatzpunkte der Kritik. Die einen betonen die Gefährlichkeit von Religion, andere die
Tatsache, dass die Wissenschaft Gott abgeschafft hätte oder dass es keiner Religion bedürfe, um Moral- und ethische Wertvorstellungen zu entwickeln.
Nicht wenige Christen verunsichert diese Kritik.
Der Philosoph Immanuel Kant hat im 16. Jahrhundert geklärt, dass sich das Dasein Gottes mit dem Verstand weder beweisen noch widerlegen lässt.
Das Ringen mit dem Glauben ist damit aber keine unvernünftige oder sogar sinnlose Angelegenheit, sondern eine Aufgabe mit mehreren Ebenen. Eine Wahrheit, die vor Argumenten geschützt werden muss, ist keine Wahrheit, die auf Dauer Bestand haben könnte.
Christen brauchen keine Angst zu haben vor der Auseinandersetzung mit der Erkenntnis anderer Weltanschauungen, egal ob sie auf anderen Zeugnissen beruhen oder auf dem Wissen von Wissenschaften.
Die redlich geführte Auseinandersetzung gehört genau so zur christlichen Existenz wie eine Glaubensbiografie mit Höhen und Tiefen. Sie kann den Glauben von allzu menschlichen Vorstellungen befreien.
Der Glaube, der sich "nach" dem redlichen Ringen der Vernunft auf Gott einlässt, ist ein anderer.
Er weiß um die Abgründe der Hoffnungslosigkeit, aber er weiß auch von der Kraft der Erkenntnis durch das Denken. Niemand kann uns vor dem Zweifel schützen, der sich jederzeit in unsere Hoffnung drängen kann. Zur befreienden Wahrheit des Christentums gehört auch die Einsicht, dass es keine Frage der Schuld ist, wenn einem Menschen die Welt als absurdes Theater erscheint.
Glauben bleibt glauben - auch wenn er vom Wissen bis zu diesem Glauben getragen worden ist.



Fünfzig!
So heißt kurz und knapp eines der wichtigsten Feste der Christen.
Glauben Sie nicht?
Doch, Sie kennen es alle. Ich meine: "Pfingsten", kommt vom griechischen "Pentekoste" und das heißt ganz einfach: Fünfzig!
Gemeint sind 50 Tage nach Ostern.
Ja, und so kurz und seltsam sein Name ist, so sehr fristet Pfingsten ein Mauerblümchendasein unter allen kirchlichen Festen: Dabei gäbe es kein einziges kirchliches Fest ohne es.
Denn ohne Begabung mit dem Heiligen Geist wären die Jünger rückwärtsgewandte Menschen geblieben, hätten Gedenkfeiern auf Jesus abgehalten, aber keine Gemeinde gegründet.

Doch könnten Sie die Frage beantworten: "Was ist der Heilige Geist?" Nein?
Sie sind in guter Gesellschaft.
Denn auch Lukas beantwortet in seiner Pfingstgeschichte diese Frage nicht.
Er sagt höchstens: "Heiliger Geist ist wie Feuer, wie Sturm." Ihn interessiert, wie der Heilige Geist wirkt. Und wie wirkt er?
Er verändert Menschen.
Aus stummen Jüngern, die sich von Jesus verlassen fühlen, werden Begeisterte, die öffentlich das Wort ergreifen. Die Erntefestgemeinde, die in Jerusalem wie gewohnt feiern will, wird aufgestört.
Ein anderer Wind weht da, kein Gottesdienst hinter verschlossenen Türen, Gottes Geist hat etwas gegen geschlossene Gesellschaften, reißt Fenster und Türen auf und drängt zur Mitteilung.
Und dieser Geist zielt auf Verständlichkeit.
Das Reden der Jünger kann jeder verstehen: "Sie loben die großen Taten Gottes!", staunen die Hörer. So wirkt der Heilige Geist. "Wirkt"? Muss ich nicht schreiben: "Wirkte"? Nein!
Auch wenn oft genug versucht wurde, die wilde Taube des Geistes zu einem flügellahmen Vogel zu machen, der Heilige Geist wirkt weiter.
Vielleicht nicht mit vielen Worten oder ganz ohne welche, doch er wirkt in den Menschen, die ihn durch ihr Leben hinein


Maria im Mai
"Maria, Maienkönigin, dich will der Mai begrüßen.
O segne ihn mit holdem Sinn und uns zu deinen Füßen. Maria, dir empfehlen wir, was grünt und blüht auf Erden. Lass uns in dieser Pracht und Zier das Werk des Schöpfers ehren", heißt es in einem Marienlied.
Seit Ende des 18. Jahrhunderts feiert die Kirche im Mai die Gottesmutter, da "der schönste Monat des Jahres der schönsten aller Frauen geweiht sein soll".
Die Freude über die neu blühende Natur erinnert an Maria, die Christus, das Heil der Welt, geboren hat. Deshalb wird Maria häufig inmitten von Blumen dargestellt, die auch das verloren gegangene Paradies versinnbildlichen.


Vor Mauern

Was bedeutet es, in der heutigen Jugend Christ zu sein?

Es bedeutet, vor Mauern zu stehen, die gebaut sind aus Steinen des Desinteresses, der Ablehnung, der Gleichgültigkeit.
Man steht vor Mauern, wenn man das Desinteresse wahrnimmt, über Gott oder den Glauben an ihn zu reden, zu diskutieren.
Man steht vor Mauern, wenn man die Ablehnung spürt, den Glauben an Gott zu leben, zu praktizieren.
Man steht vor Mauern, wenn man die Gleichgültigkeit fühlt, die Fixierung auf das jetzige Leben, manchmal sogar die Fixierung auf die eigene Person.
Man steht vor Mauern, wenn der Gottesdienst als veraltetes Ritual belächelt wird.

Es bedeutet aber auch, vor Mauern zu stehen, die von der Kirche selbst errichtet werden.
Man steht vor Mauern, wenn man aufgrund hierarchischer Strukturen und fehlender Demokratisierung so gut wie keine Möglichkeit hat, in der Kirche zu entscheiden, die Kirche zu verändern.
Man steht vor Mauern, wenn sich die Kirche mit ihren Lehren gegen die Zeit und die eigenen Überzeugungen stellt.
Man steht vor Mauern, wenn die Kirche Gruppen in ihrer Gemeinschaft geringer schätzt als andere, Laien geringer als Geweihte, Frauen geringer als Männer.
Man steht vor Mauern, wenn man sich zwischen der Priesterweihe und der Ehe entscheiden muss.

Was kann man tun gegen solche Mauern, gegen Mauern, die man, wie es scheint, nicht einzureißen vermag?
Soll man vor ihnen zusammensinken, vor ihnen kapitulieren?
Soll man gegen sie anrennen, um nur sich selbst zu verletzen?
Oder sollte man jeden Stein einzeln abtragen?
Soll, kann man hoffen, dass die Mauern irgendwann zusammenfallen?

Tobias B. Tillmann, 17 Jahre




Warum ER nicht vom Kreuz steigt

Warum steigt er nicht einfach vom Kreuz?
Die Macht hätte Jesus, er ist ja der Gottessohn.
Warum also lässt er sich das gefallen: Spott, Geißelung, Kreuzigung?
Er könnte es denen doch zeigen, könnte ihnen Gott und seine Macht beweisen und vom Kreuz steigen. Warum macht er das nicht?
Darauf gibt es nur eine Antwort: Er steigt nicht vom Kreuz, weil er es nicht will.
Die Macht dazu hätte er. Die Kraft würde er bekommen.
Aber - er will es nicht.
Er will aushalten, leiden, allein auf Gottes Hilfe warten. Anders ist das nicht zu erklären.
Er hat die Macht und die Kraft und nutzt sie nicht. Das klingt paradox.
Er könnte sich helfen und tut es nicht. Das muss doch einen Grund haben.
Der Grund ist die Liebe, glaube ich.
Wer liebt, will keine Macht.
Wer wirklich liebt, will sich nicht durchsetzen. Will einfach nur warten, bis alle es einsehen: Liebe braucht keine Faust, kein Schwert, kein Gewehr, sonst hat sie verloren.
Man glaubt dann nicht mehr der Liebe, sondern der Faust.
Würde Jesus vom Kreuz steigen, sagten die Leute sofort: Siehst du, er selbst traut seiner Liebe nicht. Wenn es ernst wird, benutzt er doch ein Schwert oder lässt sich von denen helfen, die dicke Muskeln haben. Und genau das will Jesus nicht.
Er will lieben, vergeben, für die Bösen sogar noch bitten, und, wenn es sein muss, dafür auch leiden.
Ich muss das nicht verstehen.
Ich kann den Kopf schütteln. Aber ernst nehmen will ich es schon.
Liebe glaubt nur an sich selbst, sonst verrät sie sich. Liebe will nicht Recht haben, sondern Recht bekommen. Einer neben dem Kreuz schüttelt darüber nicht seinen Kopf. Ein römischer Hauptmann.
Er sieht alles von Anfang bis Ende. Sieht den leiden, der nicht ans Schwert, sondern an seine Liebe glaubt. Der hat Recht, sagt er: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn.

Michael Becker




Das Vaterunser
Was mir am Glauben wichtig ist

Vater unser im Himmel

"Herr, lehre uns beten." Die Bitte des Jüngers (Lukas 11,1) spiegelt die moderne Unsicherheit wider:
Wer ist Gott? Wie steht er zu mir?
Wie kann ich in Kontakt mit ihm kommen?
Jesu Reaktion darauf ist keine theologische Erläuterung, sondern das Vaterunser: "Vater unser im Himmel …". "Abba - lieber Vater": dies ist eine kindliche Anrede voller Vertrauen, frei von Enttäuschungen.

Ein Vertrauen, wie es Vincent van Gogh in seinem Gemälde "Die ersten Schritte" ins Bild gesetzt hat: das kleine Kind wagt die ersten, noch unsicheren Schritte in die weit geöffneten Arme des Vaters.
Gott möchte, dass wir ihn menschlich anreden, in kindlichem Glauben.
Das ist der erste Aspekt.
Hinzu kommt, dass der Vater auch derjenige ist, an dem sich der Heranwachsende reibt, gegen den die zu gewinnende Freiheit zu verteidigen ist.
Die Opposition des Heranwachsenden gegen den Vater ist etwas völlig Natürliches und das gilt auch für den Weg des Menschen vom Kinderglauben zum Erwachsenenglauben.
Das Gleichnis vom verlorenen Sohn erzählt, dass Gott die Opposition zulässt, ohne dass der Mensch aus seiner Liebe fällt. Entscheidend ist, dass Gott auf dem Weg vom kindlichen zum erwachsenden Glauben nicht aufhört, Vater zu sein.
Seine Arme bleiben weit geöffnet und er möchte nichts anderes als unser Vertrauen. "Vater" bleibt der Name, bei dem wir Gott beim Wort nehmen dürfen.
Doch der Vater-Begriff ist in die Krise geraten. Kinder erleben Väter abwesend, zu beschäftigt oder gar gewalttätig. Deshalb beten wir auch: "Vater unser im Himmel".
Menschlich dürfen wir Gott begegnen und zugleich übersteigt er alle menschliche Begrenztheit, die Fehlerhaftigkeit menschlicher Väter. Irdischer Verlassenheit setzt Gott die Geborgenheit bei ihm gegenüber.
Wir "verlorenen Menschen" dürfen immer wieder heimkehren.
Und zuletzt gilt auch das, was Paul Roth geschrieben hat: "Es gibt keinen Namen für dich, der alles sagt, für alle Zeit, für jeden. Weil nicht alles gesagt werden kann, weil jede Zeit und jeder Mensch dich und deinen Namen neu finden muss."

Michael Tillmann



Weil wir als Christen etwas zu sagen haben

Wenn am Aschermittwoch die Fasten- und Passionszeit beginnt, die sechswöchige Vorbereitungszeit
auf Karfreitag und Ostern, dann hat diese Zeit zunächst einen sehr persönlichen, privaten Charakter.
Ob und wie ich faste, mich vorbereite, mein Leben ändere und umkehre, ist meine ureigenste Angelegenheit.
Auch wenn die Kirchen mehr oder weniger verbindliche "Anleitungen" oder Vorschläge machen, entscheide ich selbst über "mein Fasten" und bin auch nicht bereit, irgendjemandem darüber Rechenschaft zu geben.
Doch zugleich hat die Fasten- und Passionszeit einen öffentlichen Anspruch; ist Gelegenheit und Herausforderung gesellschaftliche Entwicklungen infrage zu stellen und ggf. zu kritisieren:
Wie kann es zum Beispiel sein, dass bei der Finanzkrise im letzten Jahr innerhalb von wenigen Tagen Milliarden Euro zur Verfügung standen, die Milliarden zu einer wirkungsvollen Bekämpfung des wieder wachsenden Hungers weltweit aber nicht aufgebracht werden können und viele der Kinder unterhalb der Armutsschwelle leben?
Wie kann es sein, dass immer und immer wieder notwendige ökologische Maßnahmen mit dem Hinweis auf die Gefährdung von Arbeitsplätzen blockiert werden und die Gier weniger Banker Hunderttausende Arbeitsplätze bedroht?
Das mag sich jetzt alles sehr populistisch anhören, müsste bestimmt viel differenzierter betrachtet werden und vieles gäbe es zu bedenken und zu sagen - mit der Folge, dass am Schluss gar nichts mehr gesagt wird?
Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitzsch - und sinngemäß auch Vertreter anderer Konfessionen - hat zur gesellschaftlichen Rolle deutlich Stellung bezogen: "Weil es um den Menschen geht, ist es wichtig, uns als Kirche zu Wort zu melden.
Weil wir als Christen dieser Welt etwas zu sagen haben, dürfen wir uns nicht verstecken oder in eine binnenkirchliche Kuschelecke zurückziehen.
Es ist unsere Aufgabe, Zeugnis in der Welt abzulegen, uns unerschrocken einzusetzen für das, was der Mensch zutiefst braucht, wovon er lebt, und was weit über dem materiellen Gewinn steht."

Weil wir als Christen dieser Welt etwas zu sagen haben … - die Fasten- und Passionszeit lädt dazu ein, über die öffentlichen Aufgaben eines Christen nachzudenken und sie dann auch anzupacken - auch
über Ostern hinaus.

Michael Tillmann


Zeitsignale
Plädoyer für einen leisen Jahresanfang

Jahresanfänge sind vollmundig - die privaten wie die öffentlichen. "Im neuen Jahr werde ich …" und dann folgt eine mehr oder weniger lange Liste sogenannter Vorsätze.
"Im neuen Jahr müssen wir …", beginnen viele Reden von Politikern oder Wirtschaftsführern und darauf folgt eine mehr oder weniger lange Liste von dem, was die Bürgerinnen und Bürger im neuen Jahr leisten oder worauf sie verzichten sollen.
Beide "Litaneien" leiden - so glaube ich - oft an einer weitverbreiteten Volkskrankheit: Sie sind nicht glaubwürdig. Das "Schicksal" vieler Vorsätze ist den allermeisten nur allzu bekannt. Unglaubwürdig sind leider aber auch oft die Forderungen, die an andere gestellt werden, denn der Fordernde meint oft nicht sich selbst.
Alle meinen, dass alle sparen müssen und die Gesellschaft umgebaut werden muss - aber viele wehren sich dann, wenn es bei ihnen so weit ist. Alle meinen, dass Flüsse und Wälder sauber gehalten werden müssen - und viele sind überhaupt nicht bereit, das eigene Leben dafür etwas umzugestalten.
Alle schimpfen auf dieses und jenes - aber nur wenige beginnen mit den Veränderungen.
Viele sind gerne gegen dies und für das - aber nur nicht bei ihnen selber.
Man könnte es wirklich eine Volkskrankheit nennen, dieses seltsame Spiel mit Meinungen, die man schon lange hat, aber trotzdem nicht umsetzt.
Es gibt viele und schnelle und große Aufgeregtheiten - aber ebenso schnell sind sie wieder vergessen, obwohl gar nichts verändert wurde.
Deshalb möchte ich für einen leisen Jahresanfang plädieren.
Sich seiner selbst nicht so sicher zu sein und vorsichtig mit dem, was ich von anderen erwarte. Zuallererst mich selbst fragen, ob mein Reden und Handeln übereinstimmen.
Der Schriftsteller Julien Green (1900-1998), der zeitlebens nach Gott fragte und ihn suchte, schrieb mit knapp 50 Jahren (2. Mai 1949) in sein Tagebuch: "Solange sich in uns Protest gegen uns selbst regt, besteht noch Hoffnung.
Nur wenn man sich akzeptiert, ist die Sache verloren. Anders gesagt (wollte ich ein Wortspiel machen): Solange man beunruhigt ist, darf man beruhigt sein." Das hat es in sich, finde ich. Solange man beunruhigt ist (über sich selbst), darf man beruhigt sein.
Mit einer Beunruhigung über mich selbst in das neue Jahr zu starten, das lässt mich skeptisch sein in Bezug auf das, was ich von mir selbst erwarte, ohne in eine gemütliche Bequemlichkeit zu flüchten, weil mit mir ja sowieso alles in Ordnung sei.
Beunruhigung über mich selbst bewahrt mich aber auch davor, zu viel von anderen zu verlangen; insbesondere solches, was ich selbst nicht zu leisten bereit bin.
Deshalb plädiere ich für einen leisen Jahresbeginn, der mit Fragen beginnen sollte: Tue ich das, was ich sage?
Rede ich so, wie ich handle? Bin ich glaubwürdig?
Und nicht mit lauten Gewissheiten und erst recht nicht mit vollmundigen Ankündigungen oder Forderungen. Ein Jahr - so glaube ich - verläuft besser, wenn es vorsichtig und behutsam beginnt;
nicht mit angeblich unverrückbaren Sicherheiten, sondern mit Fragen. "Solange man beunruhigt ist, darf man beruhigt sein."
Michael Tillmann


L'EPICERIE DU PARADIS.
Je marchais sur le chemin de la vie, il y a déjà longtemps. Un jour j'ai vu une enseigne sur laquelle
j'ai lu : " ÉPICERIE DU PARADIS". Comme je m'approchais, la porte s'ouvrit et je me trouvais à l'intérieur. J'ai vu des légions d'anges un peu partout.
Un d'entre eux me donna un panier et me dit : "Mon enfant, achète avec soin; tout ce dont un chrétien a besoin est dans le magasin; tout ce que tu ne peux apporter aujourd'hui, tu reviendras le chercher plus tard."
Premièrement, j'ai pris de la patience; l'Amour était dans la même rangée, ainsi que l'accueil de l'A(a)utre. Un peu plus loin, il y avait de l'entente. J'ai pris aussi une boîte ou deux de sagesse, un sac ou deux de foi. Je ne pouvais oublier l'Esprit Saint, il y en avait partout. Je me suis arrêtée pour prendre de la force, du courage aussi pour m'aider à gagner la course de la vie.
Bientôt mon panier était rempli, mais j'ai pensé que j'avais aussi besoin de grâce. Je n'ai pas oublié le salut, qui était gratuit; j'en ai pris assez pour nous sauver toi et moi.
Ensuite je suis allée au comptoir pour payer ma facture, car je croyais bien avoir tout pour m'aider à correspondre à la volonté de Dieu. Comme je remontais l'allée, j'ai vu la prière, et je n'ai pas pu m'empêcher d'en mettre dans mon panier.
Paix et joie étaient en abondance sur la dernière tablette; chants et hymnes étaient tout près : alors je me suis servie.
Enfin j'ai dit à l'ange : " Combien te dois-je?"
Il sourit et répond : "Apporte ça partout où tu vas."
Je souris encore et je dis : " Combien?"
Il me répond en souriant : " Jésus a payé la facture il y a très longtemps!"


Zwiegespräch an der Krippe

Da besuchte der kleine Junge seinen Großvater. Er schaute zu, wie er an einer mächtigen Krippenfigur schnitzte. Einige andere standen schon fertig auf dem Tisch.
Als er ein wenig müde seinen Arm auf die Tischkante legte, merkte er, wie alle Gestalten lebendig wurden. Er war ganz erstaunt, dass er mit ihnen reden konnte. Und noch mehr.
Hirten, Könige, Maria und Josef waren nicht mehr klein und er nicht groß, sonder er ging mitten unter ihnen umher, ohne aufzufallen. Und so ging er mit ihnen in den Stall von Bethlehem hinein.
Da schaute er das Kind an - und das Kind schaute ihn an.

Plötzlich bekam er einen Schrecken, und die Tränen traten ihm in Augen. "Warum weinst Du den" fragte das Jesuskind. "Weil ich Dir nichts mitgebracht habe", sagte der Junge. - " ich will aber gern etwas von Dir haben", entgegnete das Jesuskind. - Da wurde der Kleine rot vor Freude. - " Ich will Dir alles schenken, was ich habe, stammelte er.

Drei Sachen möchte ich von Dir haben", sagte das Jesuskind. Da fiel ihm der Kleine ins Wort : " Meinen neuen Mantel, meine elektrische Eisenbahn, mein schönes Buch mit den vielen Bildern?"
"Nein", erwiderte das Jesuskind, "das alles brauche ich nicht. Dazu bin ich nicht auf Erde gekommen.
Ich will von Dir etwas anderes haben". " Was den?"fragte der kleine erstaunt.
Schenke mir Deinen letzten Aufsatz", sagte das Jesuskind leise, damit es niemand anders hören konnte. Da erschrak der Kleine.
"Jesus", stotterte er ganz verlegen und kam dabei ganz nah an der Krippe und flüsterte ; "Da hat doch der Lehrer ungenügend darunter geschrieben." " Eben deshalb will ich ihn haben", antwortete das Jesuskind. "Aber warum denn?" fragte der Junge.
"Du sollst mir immer das bringen, wo 'ungenügend' darunter steht. Versprichst Du mir das?" "Sehr gern", antwortete der Junge.
"Aber ich will noch ein zweites Geschenk von Dir", sagte das Jesuskind.
Hilflos guckte der kleine junge. "Deinen Milchbecher", fuhr das Jesuskind fort. "Aber den habe ich doch heute zerbrochen", entgegnete der Junge. "Du sollst mir immer das bringen, was Du im Leben zerbrochen hast. Ich will es wieder heil machen. Gibst Du mir das auch?" " Das ist schwer", sagte der Junge.
"Hilfst Du mir dabei?"
"Aber nun mein dritter Wunsch", sagte das Jesuskind. "Du sollst mir nun noch die Antwort bringen, die Du Deiner Mutter gegeben hast, als sie fragte, wie denn der Milchbrecher kaputtgegangen sei." Da legte der Kleine die Stirn auf die Kante der Krippe und weinte bitterlich : " Ich, ich, ich..." brachte er unter Schluchzen mühsam heraus... "Ich habe den Becher umgestoßen; in Wahrheit habe ich ihn doch absichtlich auf die Erde geworfen."
"Ja, Du sollst mir immer alle Deine Lügen, Deinen Trotz, Dein Böses, was Du getan hast, bringen", sagte das Jesuskind. "Und wenn Du zu mir kommst, will ich Dir helfen; ich will Dich annehmen in Deiner Schwäche; ich will Dir immer neu vergeben; ich will Dich an Deiner Hand nehmen und Dir den Weg zeigen. Willst Du Dir das schenken lassen?"
Und der Junge schaute, hörte und staunte...

( nach Walter Baudec).



Betrachtung zu Advent und Weihnachten


Im Evangelium am 4. Adventssonntag heißt es: "Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel
von Gott zu Maria gesandt", sechs Monate nach der Empfängnis Johannes des Täufers.
Jüdische Zahlenmystik bringt die ersten sechs Monate einer Schwangerschaft in Verbindung mit den sechs Schöpfungstagen.
Während sechs Tagen wurde die Schöpfung zubereitet wie ein Mutterschoß, damit am sie Ende des sechsten Tages ein neues Wesen, den Menschen, aufnehmen konnte, diesen Menschen, der geschaffen wurde nach Gottes Ebenbild, ausgestattet mit dem göttlichem Hauch, dem göttlichen Atem.
Aber dann wären dieser jüdischen Zahlenmystik zufolge noch drei Tage von Nöten gewesen, damit der Mensch sich diese Gottebenbildlichkeit vollends aneignen konnte.
Die Schöpfung hätte eigentlich neun Tage dauern sollen, wie auch eine Schwangerschaft neun Monate dauert.
Jeder Schwangerschaftsmonat hätte so sein Urbild in einem Schöpfungstag gehabt.
Aber der Mensch wird diesen ursprünglichen Schöpfungsplan Gottes kippen.
Der 9. Tag wird nicht kommen.
Die Schöpfungsgeschichte berichtet uns noch vom 7. Tag: Da ruhte Gott, und er freute sich an seiner Schöpfung, besonders am Menschen, und er wartete sehnsüchtig darauf, dass der Mensch nun seine Freiheit nutze, um zu Ihm, seinem Gott, emporzusteigen, ganz göttlich zu werden.
Wir hätten dann die heile, die vollendete Schöpfung gehabt: Der Mensch, der seinen Gott schaut von Angesicht zu Angesicht. Aber der erste Mensch, Adam und Eva, werden dem Versucher erliegen:
Statt sich an Gott zu erfreuen, wollen sie wie Gott sein.

In Maria und Elisabeth macht Gott einen Ansatz von Neuschöpfung. Elisabeth ist im sechsten Monat schwanger, sechster Monat, sechster Schöpfungstag, kritischer Tag, Gott erschuf den Menschen und entließ ihn vertrauensvoll in die Freiheit. Aber diesmal, im sechsten Schwangerschaftsmonat, wird er eingreifen. Er tut es nicht direkt bei Elisabeth. Vielleicht war sie doch schon zu alt.
Der Engel Gabriel wird nach Nazareth geschickt zu einem jungen Mädchen, Maria.
Stellvertretend wird sie erneut vor die große Frage der Menschen gestellt: "Willst du groß werden mit Gott oder ohne ihn?
Willst du einsteigen in seinen großen Plan, den vollendeten, geisterfüllten Menschen hervorzubringen - für Gott ist alles möglich, auch das - oder willst du deine Freiheit außerhalb suchen? Frei mit Gott für die Menschen, für dein Volk oder frei von Gott, nur für dich"?
Es wird ihr ein Kind verheißen, das ganz aus dem Geist kommt und auch ganz aus dem Geist leben wird. "Er wird groß sein, Sohn des Allerhöchsten genannt werden; er wird der wahre König und Herrscher von Israel sein, die Kinder Adams und Evas wieder auf den richtigen Weg bringen, die Menschen an ihre ursprüngliche Berufung heranführen, wozu sie erschaffen wurden, und wozu ihnen das königliche Geschenk der Freiheit gegeben wurde."
Der kleine Johannes wird es schon in der Enge des Mutterschoßes erfahren.
Er wird vor Freude hüpfen, als Maria in seine Nähe kommt. Die letz-ten Schwangerschaftsmonate werden für ihn eine geisterfüllte Zeit sein. Er deutet schon etwas an von dem großartigen Neuen,
das im Kommen ist. Bei seiner Geburt werden alle staunen, denn es war deutlich, dass Gott das seine Hand im Spiel hatte.
In der Lesung hörten wir eben die letzten Sätze des Römerbriefes. In diesem Brief hat Paulus sein Evangelium, wie er es nennt, das Evangelium von Jesus Christus, wie es ihm offenbart wurde, lang und breit dargelegt. Und er schließt mit einem Lob- und Jubelgesang: "Preis und Dank sei Gott!
Er kann euch stark machen.
So bezeugt es das Evangelium, das ich verkünde, die Botschaft von Jesus Christus.
Sie offenbart den geheimen Plan, das verborgene Ziel der Weltgeschichte; seit Urzeiten wurde es verborgen gehalten, jetzt ist es aber enthüllt worden. Alle Völkern soll es bekannt gemacht werden, dass sie Gott vertrauen können und auf ihn hören. Ihm, dem allein Weisen, gehört die Herrlichkeit durch Jesus Christus in Ewigkeit!"
Gott hat wiederum einen ganz neuen Anfang gemacht.
Advent und Weihnachten laden ein, einzusteigen, damit der 8. und 9. Tag der Schöpfung endlich zustande kommen.


Prière pour la Toussaint

Nos frères, qui êtes au cieux

Vous, nos morts, où êtes-vous?
Pas dans la terre,
pas sous la froideur de la pierre,
vous êtes chaque jour avec nous
et vous nous donnez la main;

Seigneur, donne-nous la grâce
de vivre en union avec ceux
que nous avons aimés sur Terre
et qui sont déjà entrés sans ta lumière,
dans l'attente de la Résurrection.

Que restent vivants en nous
la joie, les peines, les conflits
et la réconciliation partagés.
Que nous sachions expérimenter
la force de l'amour fraternel
lorsqu'ils nous portent dans la prière,
que nous sachions demander
que nos frères dans la foi
de nous aimer, surtout
lorsque nous vivons
des moments difficiles.

Que grâce te soit rendue, Seigneur,
pour le soutien de cette communion
qui fait grandir la fraternité
au Ciel et sur la Terre
en nous menant vers ton Royaume.

Prier n° 296 - novembre 2007

 



"Ex und hopp"

Ein Grund, warum wir den Tod eines geliebten Menschen als so schmerzhaft empfinden, ist die Endgültigkeit des Abschieds, die mit der Tatsache, dass wir sterben, verbunden ist.

Wir werden diesen einen Menschen in diesem Leben nicht mehr wiedersehen, wir werden nicht mehr mit ihm lachen, sein Rat wird uns fehlen, genauso wie die Streitgespräche und Konflikte, die zum Leben
dazu gehören.
Um diese Tatsache zu begreifen, sollten Trauernde sich Zeit nehmen und auf gar keinen Fall die Beerdigung schnell hinter sich bringen.
"Begreifen" bedeutet für mich im wahrsten Sinne des Wortes eine sinnliche Erfahrung machen.
Raum und Zeit sind hier wichtig. Raum, in dem ich mich mit dem Toten aufhalten kann und Zeit für einen Abschied, der Trauerrituale möglich macht.
Manchmal sitzen Trauernde dann einige Tage später vor einem Sarg oder einer Urne und können nicht fassen, dass da der Verstorbene drin sein soll. Es wird viel zu oft zu einer schnellen "Entsorgung und Beseitigung des Problems" geraten.
In meiner Wertewelt ist der Tod kein "Problem". Der Tod lehrt uns das Leben zu schätzen und zu lieben. Er lässt uns begreifen, dass das Leben endlich ist und jede Minute kostbar.
Also lassen Sie sich im Trauerfall nicht drängen. Wenn Sie das Gefühl haben, mehr Zeit für den Abschied zu brauchen, nehmen Sie sich die Zeit. Sie werden spüren, wenn es an der Zeit ist, den Leichnam wegzugeben. Entscheiden Sie selbst, auch über die Art der Bestattung.

Die Ex und hopp Mentalität, die in vielen Lebensbereichen Einzug gehalten hat, wird auf den Todesfall und die Trauer übertragen. Mit fatalen Folgen. Der Moment des Abschieds ist unwiederbringlich.
Nehmen Sie sich Zeit dafür. Lassen Sie sich Ihre Toten nicht stehlen!




Sich verändern
Einst kam einer der Gerechten nach Sodom, um dessen Einwohner vor Sünde und Bestrafung zu retten.
Tag und Nacht ging er durch die Straßen und über die Märkte und predigte gegen Habgier und Diebstahl, Falschheit und Gleichgültigkeit.
Am Anfang hörten die Menschen noch zu und lächelten ironisch.
Dann hörten sie ihm nicht mehr zu: Es belustigte sie nicht einmal mehr.
Die Mörder fuhren fort zu morden, und die Weisen schwiegen, als ob kein Gerechter in ihrer Mitte weilte.
Eines Tages näherte sich ihm ein Kind, das voller Mitleid für den unglücklichen Prediger war, und sprach
"Armer Fremder. Du schreist, du verausgabst deinen Körper und deine Seele, siehst du denn nicht, dass es völlig zwecklos ist?" "Ja, ich sehe es", antwortete der Gerechte. "
Warum machst du dann immer weiter?"
"Ich sage dir warum.
Am Anfang dachte ich, ich könnte die Menschen ändern. Heute weiß ich, ich kann es nicht.
Wenn ich immer noch schreie, wenn ich immer noch weine, dann um zu verhindern, dass die Menschen am Ende mich verändern."

Elie Wiesel


Kultur der Aufmerksamkeit
Herr, es kommt weniger darauf an,
an einem Tag etwas Großes zu tun,
als an vielen kleinen Tagen
viele kleine Dinge gut zu tun.
Darum hilf mir
in der täglichen Einübung
einer Kultur der Aufmerksamkeit,
der Versöhnung und des Wohlwollens.
Lass mich einfach menschlicher werden,
um christlicher zu werden.


Gezähmte Beter

Wie haben Menschen
doch früher gebetet!
Ich lese im Psalm 77:
"Ich rufe zum Herrn
ja, ich schreie zu ihm!
Des Nachts erhebe ich meine Hände,
meine Seele will sich nicht trösten lassen!"
Im Buch Judit heißt es:
"Und das ganze Volk
fiel auf sein Angesicht
und schrie um Hilfe."
Denn sie waren eingeschlossen.
Die Assyrer hatten die Brunnen besetzt,
die Zisternen waren leer,
weit und breit keine Wolke, kein Wasser!
Sie konnten die Tage zählen,
bis die letzten verdurstet sein
und die Israeliten tot
in die Hände der Assyrer fallen würden.
Da schrien sie zum Herrn,
und sie wurden gerettet.
Und wie ist unser Gebet?
Wir brauchen Gebetbücher,
Vorlagen und Formeln!
Was beten wir?
Wie beten wir?
Rufen und schreien wir zu Gott?
Wir haben Regeln entwickelt,
wie, wann und was gesagt werden darf!

Was schnürt uns die Kehle zu?
wer nimmt uns die Möglichkeit,
unseren Zorn, unsere Verbitterung,
unseren Ärger auch über Menschen
und über das Nichteingreifen Gottes
auszudrücken?
Wir schreien nicht,
wir sagen unsere Gebete auf!
Wir brauchen vor Gott
nichts zu verdrängen!
Vor ihm können wir sein,
was wir sind:
Weinende,
Verzweifelte,
Klagende,
Tobende,
Lachende,
Feiernde,
Singende,
Tanzende!
Warum wollen wir vor Gott
bestimmte Seiten unseres Wesens
verbergen?
Er will im Gebet
lebendigen Menschen,
nicht Mumien
begegnen.

Martin Gutl



Meditation

Wenn Kirche und Glauben in unserem Land lebendig bleiben sollen, wird es immer wichtiger, dass wir Christen den Mut haben, uns auf unser eigenes Wesen zu besinnen - auch gegen die Meinung unserer Umwelt.
Chrisen müssen Aussteigertypen sein. Wie Petrus dürfen wir nicht im gemeinsamen Boot vager Lebensentwürfe und unverbind-licher, religiöser Nettigkeiten sitzen bleiben.
Es ist unsere Berufung, uns auf Christus einzulassen, wie Petrus über das Wasser der Glaubenszweifel, der Gleichgültigkeit und der Bequemlichkeit zu ihm zu gehen.
Es kann nicht verwundern, dass diese Wasser uns wie Petrus zu verschlingen drohen.
Auch Petrus kannte die Angst unterzugehen. In einer Zeit, in der wir Christen in unsrem Glauben nicht mehr von der Umwelt getragen werden, ist es umso notwendiger, dass wir wie Petrus Christus nicht
aus den Augen verlieren.


Meditation

Jesus fuhr in eine einsame Gegend, um allein zu sein." Er hat Not und Sehnsucht nach Ruhe und Stille. Es kommt dieses Mal nicht dazu.
Die Leute sind ihm nachgegangen, und er lässt sich auf sie ein. Aber das bedeutet nicht, dass Ruhe und Stille immer hintan stehen sollen und nie zu ihrem Recht kommen dürften. Die Kirchen sind Orte, die den lieben langen Tag zu Ruhe und Stille einladen.
Die Kirchen sind nicht nützlich, nicht praktisch, sie verlangen nicht nach unmittelbarer Aktion und erfordern keine schnelle Antwort. Sie sind Räume ohne laute Geräusche, ohne ungezügelte Bewegungen oder ungeduldige Gesten. Sie sind stille Räume, die meiste Zeit seltsam leer.
Sie sprechen eine andere Sprache als die Welt um sie herum. Sie möchten keine Museen sein.
Sie möchten uns einladen, still zu sein, zu sitzen oder zu knien, aufmerksam zu hören und mit unserem ganzen Wesen auszuruhen.
Eine Stadt ohne sorgsam gehütete Räume, in denen die Stille, aus der alle Worte erwachsen, zu spüren ist, die Stille, die zu Taten ermuntert, eine solche Stadt ist in Gefahr, ihren wahren Mittelpunkt zu verlieren.




Gerechtigkeit

Verzeiht einer Motte dies offene Wort.
Aber, Ihr Menschen seid schon seltsame Wesen!
Ihr haltet mich für hässlich: Mit meinen winzigen, gelb glänzenden Flügeln. Bewimpert.
Dachartig über den Rücken gefaltet. Für Euch bin ich ein Schädling, kein Schmetterling.
Etwas, nach dem man schlägt. Euch dagegen haltet Ihr für die Krone der Schöpfung, unglaublich!
Nicht mal fliegen könnt Ihr. Und dabei nehmt Ihr Euch so wichtig.
Bodenständig wie Ihr seid, sorgt Ihr Euch vor allem darum, Schätze zu sammeln.
Ihr hortet Kleider.
Wie schon zu Zeiten meiner Vorväter. Damals waren kostbare Stoffe und prächtige Gewänder ausgesprochene Wertgegenstände. Hmmm, welch ein leckerer Fraß!
Den hätte ich gerne gehabt. Meine Ahnen waren königliche Motten!
Die wohnten in der Kleiderkammer des Königs Herodes.
Da gab es richtig was zu beißen. Nahrung für alle mehr als genug!
Ihr könnt es Euch gar nicht vorstellen: diese Unzahl an Prunkgewändern voller Gold und Edelsteine. Kostbare Linnen und Purpur, das war delikat!
Der große Herodes hatte nur Interesse an Macht, Einfluss und Reichtum.
In der königlichen Kleiderkammer häufte er edle Stoffe an - und meine Sippe hat sie einfach vertilgt! Bizarr.
Da kann ich als Motte nur sagen: Jesus hat recht: Was habt Ihr Menschen davon, wenn Ihr Kleider anhäuft, die wir Motten zerfressen?
Und mit den anderen Schätzen ist es ähnlich: Ihr rafft sie zusammen, dann plötzlich bricht ein Dieb ein und raubt sie, oder sie werden ein Fraß des Rostes.
Aber wir Motten werden totgeschlagen, wenn wir mal dran naschen. Das ist ungerecht.
Vor allem, wenn diese Schätze eigentlich gar nicht Euch selbst zustehen.
Meine Vorfahren haben schon erzählt, dass solche Leute wie Herodes nur deshalb so schöne Kleider hatten, weil er andere dafür versklavte.
Heute ist das alles ja noch viel komplizierter. Ich muss mich mit Jeans und Baumwollhemden zufrieden geben, weil die Schätze heute nicht in Brokat, sondern in Steueroasen gesammelt werden in Liechtenstein, in Monaco oder sonstwo.
Da regt Ihr Menschen Euch über ein kleines Mottenloch auf und gleichzeitig duldet Ihr solche Steuerlöcher. Und dann habt Ihr so hässliche Dinge wie Sozialabbau und Arbeitsplatzverlagerungen
nach Südostasien oder nach Rumänien.
Eine kleine, schlichte Motte kommt da gar nicht mehr mit!
Heuschrecke müsste ich sein, um das zu verstehen. Die Heuschrecken sind ja bei Euch die Spezialisten der Finanzmärkte mit unersättlichem Appetit. Und Eure Heuschrecken sind im Begriff, sich zu einer ausgewachsenen Plage zu entwickeln...
Nun, gut. Ich habe von den Reichen Eurer Spezies geredet. Indes, Ihr anderen? Seid Ihr soviel klüger? Warum träumen viele, wie diese Reichen zu sein?
Ich werde Euch mit meinen Löchern immer auf die Nerven gehen.
Also wenn Ihr mich los werden wollt, dann solltet Ihr nicht Gift im Kleiderschrank verpulvern, sondern es mit dem halten, an dessen Kleidern meine Art nie was gefunden hat: Jesus.

Der sagt: Es kommt auf die himmlischen Schätze an.
Diese Schätze können weder ich noch eine Riesen-Motte fressen. Und auch kein Meisterdieb kann sie stehlen. Kümmert Euch daher zuerst um die Schätze Gottes, seine Gerechtigkeit und sein Reich, alles andere wird Euch dazugeschenkt!
Und denkt doch auch mal so: Vor Gott zählen die Dinge, die man mit anderen teilt!
Das sind wahre Schätze.
Daher: Lebt solidarisch! Teilt Eure Schätze, auch mit mir, damit alle genug zum Leben haben!
So predigte Jesus. Wer seine Schätze teilt, der teilt auch sein Herz.
Verzeiht einer einfältigen Motte diese ’stoffreiche Gardinenpredigt’!

Quelle: Katholisches Rundfunkreferat NRX - Radiosendung vom 7.8.2008
Autor: Pfarrer André Müller

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