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Das Haupt gekrönt mit der Krone der Märtyrer, in der
Hand die Lilie, Zeichen der Reinheit, das Schwert und das zerbrochene
Rad an ihrer Seite, so sieht die Heilige von der ersten Säule
des südlichen Kirchenschiffes gleichsam auf Chor und Langhaus
herab.
Die
Lebensgeschichte der
hl. Katharina
beruht zum großen Teil auf legendären Überlieferungen.
Sie war die einzige Tochter des Königs Costus im ägyptischen
Alexandria und lebte zu Beginn des 4. Jahrhunderts.
Katharina war eine außergewöhnliche Schönheit,
hochgebildet, und von Haus aus mit unermesslichen Gütern
gesegnet.
Ein greiser Einsiedler, der dem achtzehnjährigen Mädchen
erklärte, dass Jesus Christus ihr wahrer Bräutigam
sei, brach ihren Stolz und stürzte sie in tiefe Nachdenklichkeit.
Sie verzichtete auf allen Reichtum und empfing die Taufe.
Bei einem Opferfest zu Ehren der heidnischen Götter zog
sie die Bewunderung des Kaisers Maxentius auf sich, aufgrund
ihrer außergewöhnlichen Redegewandtheit und ihres
Mutes, dem Kaiser vorzuhalten, dass die Heidengötter Abgötter
seien, die weder ihm noch anderen helfen könnten.
"Weh' euch Unseligen, die ihr die Bilder anbetet: eure
Götter sind nicht bei euch, so ihr sie anrufet in eurer
Not, sie kommen euch in der Trübsal nicht zu Hilfe, sie
schützen euch nicht in Gefahr".
Sie widerstand allen Lockungen und Versprechen des Kaisers,
sie reichlich zu belohnen, wenn sie seinen Göttern opfern
würde. Sie aber bewahrte ihre Jungfräulichkeit.
Fünfzig Weisen, aus dem ganzen Lande herbeigerufen, sollten
sie in aller Öffentlichkeit der falschen Aussage überführen,
konnten aber der Weisheit Katharinas nicht beikommen und bekehrten
sich zu Christus.
Darauf wurde der Kaiser zornig, ließ sie foltern und aufs
Rad binden und anschließend ohne Nahrung während
zwölf Tagen in einen dunklen Kerker werfen.
"Mein Lohn wird sein der Herr Jesus Christus, der eine
Hoffnung und Krone ist derer, die für ihn streiten",
war ihre Antwort. Die fünfzig Weisen landeten auf dem Scheiterhaufen.
Die Kaiserin, von Katharinas Weltweisheit beeindruckt, besuchte
sie im Verlies und wurde von ihr zum Christenglauben bekehrt.
Als der Kaiser dies erfuhr, ließ er seine Gemahlin enthaupten.
Katharina aber sprach: "Ich habe von keinem Menschen Speise
empfangen, sondern Christus der Herr hat mich durch seinen Engel
ernähret.
Er ist mein Gott, mein Geliebter, mein Hirt und mein einziger
Bräutigam".
Da
alle Drohungen des Kaisers nicht vermochten Katharina dazu zu
bewegen, den Götzen zu opfern, ließ Maxentius auch
sie enthaupten, etwa um das Jahr 310.
Über
die Begräbnisstätte der hl. Katharina ist nichts bekannt.
Reliquien sollen später auf dem Berg Sinai gefunden worden
sein, dort, wo heute das Katharinen - Kloster steht.
Der Legende zufolge sollen Engel die Gebeine der Märtyrerin
nach deren Hinrichtung dorthin getragen haben.
Katharina
gehört zu den vierzehn Nothelfern, sie ist die Schutzpatronin
der Universitäten und Schulen, der Ehefrauen und Mädchen,
der Theologen und Juristen und mehrerer Gewerbetreibender (Schumacher,
Wagner, Müller und Buchdrucker).
(Quelle:
Festschrift zum 350-jährigen Bestehen der Pfarre St. Katharina
Kettenis)
Das
Gebäude
Schon
sehr früh (XV.Jh.) muss innerhalb des Burggeländes
ein Gotteshaus bestanden haben, das jedoch nur einschiffig und
wesentlich niedriger gewesen sein muss als das heutige Mittelschiff.
Die
Kirche ist ein dreischiffiger Werksteinbau, dem nach Westen
der Turm und nach Osten der fünfseitige Chor von der Breite
des Mittelschiffes vorgelagert sind. Ihre Innenmaße betragen
26,25 m x 12,80 m. Das Mittelschiff ist wie das Chor gotisch,
stark überhöht und hat spitzbogige Arkaden, die auf
je vier schweren, runden Steinsäulen ruhen.
Während
die Kapitelle mit schlichter Band- und Wulstgliederung und breiter
Deckplatte einheitlich sind, weichen die Sockel bei den Stützen
des Choreinganges von den übrigen ein wenig ab. Das Mittelschiff
zeigt Netzgewölbe auf niedrigen Diensten, die auf Kämpferplatten
ruhen. Die Seitenschiffe, ein wenig unregelmäßig
wie das ganze Langhaus im Grundriss, haben Kreuzgewölbe,
in den Ostjochen Sterngewölbe, die an den Wänden auf
spätgotischen Konsolen ruhen. Der Chor weist ein dreijochiges
Netzgewölbe mit Längsrippe auf, die mittleren Schlusssteine
mit den Figuren des Salvatores (Erlösers), der hl. Katharina
und eines Engels, die seitlichen mit Wappenschildern.
Das
aus schweren Blausteinquadern gebaute Kirchenschiff wird
nach Norden durch drei im oberen Teil zurückgesetzte Pfeiler
mit Schieferabdeckung gestützt. Das mächtige Schieferdach
ist über die Seitenschiffe herabgezogen.Nach
einer Beschwerde der Einwohner darüber, dass sie den Aufruf
zur Messe nicht hören, da das Glöcklein zu
klein im Turm versteckt sei, wird 1722 ein Dachreiter über
dem Chor errichtet und die "klyp" hineingehängt.
1928, gelegentlich einer bedeutenden Reparatur des Kirchendaches,
ersetzte man ihn durch den heutigen offenen, barocken Dachreiter.
Das heute in ihm hängende Glöckchen wurde 1947, gelegentlich
der 300sten Wiederkehr der Selbständigkeit der Pfarre,
geweiht und ersetzt das im Kriege 1940-45 requirierte Glöckchen.
Die
Seitenschiffe, in einem ganz anderen Stil als das Mittelschiff
wurden vermutlich zu Beginn des 16 Jh. dem Hauptschiff angehängt.
Die Fensterbank des zweiten Fensters in der Südseite des
Langhauses trägt die Jahreszahl 1515. In der Südseite
des Chores befindet sich eine Tür, deren mit Ornamenten
versehene Bogen die Jahreszahl MDXXIII (1523) getragen haben
soll. Die Beschriftung ist heute arg verwittert, so dass diese
Zahl nicht mehr lesbar ist.
Das Langhaus hatte ursprünglich nur drei Achsen Rundbogenfenster,
deren teilweise profilierte Rahmen wahrscheinlich von den früheren
gotischen Fenstern des Mittelschiffes stammen. Am 23. Februar
1772 wird beschlossen, zwei neue Fenster zu brechen: eines rechts
von dem damals noch nach Westen gelegenen Eingang, das andere
links von der Orgel. Die Gewände dieser Fenster wurden
denjenigen der übrigen Fenster angeglichen. Die Bezahlung
erfolgte aus dem Ertrag des Katharinenbusches.
Das
vorhandene Portal stammt aus dem Jahr 1842.
Als
im Jahre 1834 der heute noch vorhandene Belag in quadratischen
Blausteinplatten im Chor und in den Kirchenschiffen verlegt
wurde, mussten die bis dann teilweise als Belag dienenden Grabsteine
aus dem Langhaus entfernt werden. Auf dem Gottesacker fanden
sie ihren Platz, bis sie, gelegentlich der Vergrößerung
des Friedhofs 1879, unter den Hammer kamen. Nur zwei Grabsteine
früherer Priester, deren Aufschrift durch die Witterung
gänzlich unlesbar geworden ist, haben die Zeit überdauert.
Sie liegen am Fuße des Missionskreuzes, rechts vom Portal,
neben den Grabsteinen ihrer Nachfolger Steinfelt, Wieland und
Saur.
Die
Lourdesgrotte links vom Portal wurde im Jahre 1990 errichtet.
Die
Innenausstattung
Die
heutige Kirche hat nichts mehr von ihrer ursprünglichen
Inneneinrichtung. In den Jahren 1490 und 1497 werden ein Marien-
und Katharinenaltar erwähnt.
Der
heutige Hochaltar wurde vermutlich nach Plänen des
Aachener Stadtarchitekten J. Couven gebaut, der einige Jahre
zuvor den Hochaltar von St. Nikolaus in Eupen entwarf. Der schöne
barocke Hochaltar aus Holz zeigt zwischen drei Säulen zu
jeder Seite eine Bildnische mit einer guten Darstellung der
Enthauptung der hl. Katharina.
Die
Säulenbasen des Umbaus weisen die Evangelistenbilder
in Reliefausführung auf.
Der den großen Altarbogen überragende Aufbau zeigt
den hl. Geist im Strahlenglanz, umgeben von Putten. Auf
der Vorderseite des Expositoriums mit seitlichen Voluten befindet
sich ein Relief der Opferung Isaaks.
Das
kostbar geschnitzte Antependium stammt aus der St. Jakobuskirche
in Aachen und war dort an einem Couven-Altar 1729 angebracht,
der 1888 abgebrochen wurde. Dieses Antependium ist kein Werk
Couvens, sondern wurde von ihm aus älterem Zusammenhang
in seine Altarschöpfung übernommen. Horizontale und
vertikale Akanthusfriese teilen die Vorsatztafel in verschiedene
Einzelfelder. In der Mitte der oberen Frieszone ist ein Christusmedaillon
untergebracht, darunter geschnitzte Stoffdrapierung und grosser
Lorbeerkranz. Letzterer umschließt die Darstellung eines
Heiligen in Mönchsgewand, Sonne mit Engel, Erdkugel, Krone,
Rosenkranz und Pilgerstab. Das sind die Attribute des hl. Jodokus,
der in St. Jakobus, Aachen, sehr verehrt wird.
Die heutige Marmorierung des Hochaltares geht auf den Maler
H. With aus Aachen zurück, der dieselbe 1885 ausführte.
An
der Nordwand des Chores steht ein schlicht dekoriertes spätgotisches
Sakramentshäuschen (Vorlaüfer des heutigen Tabernakels)
auf polygonaler, im unteren Teil gedrehter Säule. Um die
Nische lesen wir die Inschrift: ECCE PANIS ANGELORUM MARIA ANNA
SA. CATHARINA.
Über dem Sakramentshäuschen befindet sich eine barocke
Muschelnische in Blaustein
mit Fruchtgehängen und seitlichen Voluten. In ihr hat eine
90 cm hohe Holzstatue der hl. Barbara vom Anfang des 16 Jh.
ihren Platz gefunden.
Auf der gegenüberliegenden Seite beherbergt eine etwas
einfachere Holznische eine etwa gleichgroße Holzstatue
der hl. Katharina.
Im
Jahre 1840 erhielten die Chorwände eine Täfelung aus
schönem Eichenholz bis zur Fensterhöhe. Bei der Ausmalung
der Kirche 1953 wurde sie goldglasiert. Die Ausmalung der Jahre
1953 und 1972 wurden im Übrigen durch die hiesigen Anstreichermeister
ausgeführt.
Auf
der Vorderansicht des schweren Bogens, der das Chor vom Kirchenschiff
trennt, ist ein auf Leinen verfertigtes Ölbild des
Malers Breuer, Eupen, aus dem Jahre 1921 zu sehen. Es zeigt
eine sitzende Madonna mit Kind und Spruchband: "O Maria
unsere Mittlerin - Empfiehl uns deinem Sohne". In der Mitte
das Triumphkreuz aus dem Jahre 1900.
Die innerhalb des Langhauses, seitlich des Chores aufgestellten
Nebenaltäre stammen aus dem Beginn
des 19. Jh. Der auf der Südseite sich befindende Anna-Altar,
in einfacher Ausführung mit je einer Säule aussen,
zeigt ein vorgezogenes Expositorium und zwischen den Säulen
ein Ölgemälde der hl. Anna.
Der
nach Norden gelegene Marien-Altar ist der Himmelskönigin
geweiht.
Die
schlichte Holzkanzel mit Eckvoluten am polygonalen Stuhl
ist eine Arbeit des 18. Jh. Sie weist auf dem Schalldeckel eine
Statue des hl. Michael im Kampfe mit dem Drachen auf.
Die
Beichtstühle in Eiche aus dem Jahre 1879 entwarf und
baute Meister Breuer aus Aachen.
Die
jetzigen Kreuzwegstationen wurden am Palmsonntag des
Jahres 1898 gesegnet; sie ersetzen diejenigen aus dem Jahre
1857.
Im
unteren Teil der Kirche steht gegen die Wand eine Pieta.
Im
Mittelgang hängt ein zweireihiger barocker Kronleuchter
in Messing, eine Arbeit aus dem 18. Jh.
In
der Eingangshalle in spitzbogigen Oberlichtern befindet sich
rechts über dem Eingang zur Kirche ein aus dem Jahre 1843
stammendes Glasgemälde der hl. Katharina und links
über dem Tor der Taufkapelle ein solches aus dem 18. Jh.
mit der Darstellung der Taufe Christi durch Johannes.
Das Eisentor, das heute die Taufkapelle abschließt,
stammt von der Rochuskapelle auf der Hochstrasse. Der sich hier
befindende Altar wurde 1903 von A. Rosenstein in Eupen
verfertigt. In der Kapelle ist ein Taufbecken in Messing
aus dem Jahre 1843, wie dies in seinem Deckel graviert ist.
Es hat die Form eines Kelches mit polygonalem Fuß.
Zur
Geschichte der heutigen Fenster ist Folgendes zu sagen:
Gelegentlich des goldenen Priesterjubiläums des Pfarres
Heinrich Saur im Jahr 1934 schenkten die Gläubigen der
Kirche die Fenster mit den Bildnissen des hl. Heinrich und der
hl. Elisabeth. Im darauffolgenden Jahr stiftete der Goldjubilar
als Ausdruck seines Dankes gegenüber Gott und seinen Pfarrangehörigen
die Fenster mit den Bildern der hl. Cäcilia und des hl.
Sebastian. Das Fenster mit der Darstellung der Königin
des hl. Rosenkranzes ist ein Geschenk der Frauen und Jungfrauen
der Pfarre, und das Bildnis des hl. Isidor ein solches der "Landwirtschaftlichen
Jugendvereinigung". Beide wurden im Jahre 1936 beschafft.
Auf der Orgelbühne zur Nordseite ein Fenster mit dem Bilde
der hl. Anna und zur Südseite eines mit dem hl. Antonius
von Padua.
Wer
die erste Orgel baute, ist nicht bekannt.
Am 20. Dezember 1964 weihte Dechant Ledur aus Eupen unter Pfarrer
Pirenne die jetzige Orgel mit 20 klingenden Registern und 1356
Pfeifen ein.
(
Quelle: Auszug aus "Geschichtliches Eupen" Band X,
1976)
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