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1690
wurde mit dem Bau der einschiffigen in Bruchstein errichteten
Kapelle begonnen; 1691 konnte der erste Gottesdienst stattfinden.
1820
drohte die schadhaft gewordene Vorderfront einzustürzen.
Bei der Planung der Wiederherstellung wurde beschlossen, die
Kapelle zu vergrößern und zu verschönern. So
entstand der den alten Bau überragende mächtige Vorbau,
der die Werthkapelle zum merkwürdigsten religiösen
Baudenkmal
in Eupen macht.
Der
in Bruchstein errichtete Vorbau ist an den Außenkanten der
Vorderfront und beider Seitenfronten durch mächtige Pilaster
aus behauenem Blaustein, teilweise aus Ziegelstein, verstärkt.
Oberhalb der einfachen Profilkapitelle liegt das wie Architrav
und Fries behandelte Gebälk, das ein viergiebelig gestaltetes
Dach trägt. Überragt wird diese eigenartige Konstruktion
von dem kleinen, wie eine viereckige Laterne konzipierte Glockentürmchen.
Den rechteckigen Haupteingang krönt ein Dreieckgiebel.
Darüber wurde im Mauerwerk eine Rundbogennische ausgespart
und hier eine Statue des hl. Lambertus von etwa 1830
aufgestellt.
Der ganze Vorbau zeigt Anklänge an den damals aufkommenden
Klassizismus. Im Inneren überrascht der holzgeschnitzte
Barockaltar des Jahres 1694, der die in die Chorwand eingelassene
rundbogige Nische vollständig überdeckt.
Aus einfachem Mauerwerk ist die Mensa errichtet, die mit einem
in Öl auf Leinwand gemalten Antependium verdeckt wird.
Letzteres bringt in der Mitte ein Halbfigurenbild des hl. Lambertus.
Im Zentrum zeigt das Retabel ein Ölgemälde mit
der Darstellung der "Himmelfahrt Mariens", die Kopie
eines Gemäldes von Paul Rubens.
Seitlich des Gemäldes stehen je 2 gewundene Säulen
, deren Sockel mit den Reliefbildern der 4 Evangelisten
und ihren Symbolen geschmückt sind. Das gestufte Gebälk
wird überragt von den freiplastischen Darstellungen links
des Hl. Antonius von Padua mit Evangelienbuch und Monstranz,
begleitet von einem Maultier, rechts des hl. Lambertus
im Bischofsornat mit Putte, und im Zentrum von den Personen
der Hl. Dreifaltigkeit.
Die auf einem Postament um die Erdkugel gruppierte Trinität
zeigt links den Triumphator mit Kreuz, rechts Gottvater mit Dreiecknimbus,
Krone und Zepter in den Händen, oben in der Mitte die von
großem Strahlenkranz umfangene Taube des hl. Geistes.
Zwei
stark bewegte Adoranten flankieren den hohen Tabernakelaufbau,
der die untere Partie des Retabelgemäldes erheblich überlagert
und in seiner jetzigen Gestalt einer Umänderung des Jahres
1831 zu verdanken ist. Dem Tabernakel sind das Gotteslamm mit
Kreuzfahne und Strahlengloriole, sowie ein mächtiges Altarkreuz
aufgesetzt.
Dieser Altar ist die vorzügliche Arbeit eines leider unbekannt
gebliebenen Künstlers. Selbst wenn die Statuen jene Feinheit
und Eleganz des Figurenschmucks vom Hochaltar in St. Nikolaus
vermissen lassen, wenn dem eher bescheidenen Dekor Vielfalt
der Motive und Brillanz der Technik eines Couvenaltars fehlen,
dürfte es sich um die prächtigste Altarschöpfung
in Eupen nächst dem Hochaltar aus St. Nikolaus handeln.
Im
Chor auf der rechten Seite direkt neben dem Altar wurde die
1720 in Maastricht gearbeitete Hängekanzel angebracht.
Vier reich mit Blumendekor belegte Volutenkonsolen gliedern
den runden Kanzelstuhl in drei Felder. Diese zeigen in ovalen
Strahlenmedaillons mit entsprechend beschrifteten Bändern
die etwas derben Bildnisse des hl. Lambertus, Michael und Nikolaus.
Wahrscheinlich
ist die etwa 1740 aufgestellte Kommunionbank aus poliertem
Granit (angeblich aus der Dolhainer Gegend stammend) nach dem
Muster derjenigen aus St. Nikolaus gearbeitet oder umgekehrt,
denn beide zeigen Balustergruppen zwischen Stützen.
J.
Reiners aus Lobberich, der bereits das Retabelgemälde restaurierte,
hat die 1877 angeschafften Kreuzwegstationen hergestellt.
Für die verschiedenen auf Leinwand gemalten Szenen verwertete
er berühmte Vorbilder der Kunstgeschichte, so z.B. für
die
14. Station Caravaggios weltbekanntes Bild "Grablegung
Christi" aus den Vatikanischen Museen in Rom.
Von
der kleinen, "aus der finsteren Zeit des Orgelbaues"
stammenden Orgel ist nur bekannt, dass sie 1840 aufgestellt
wurde.
Durch
die fachgerechte Renovierung der Werthkapelle im Jahre 1975
konnte die Geschlossenheit des stimmungsvollen Gotteshauses deutlich
unterstrichen werden.
Das in gebrochenem Weiß und Altrosa gehaltene Mauerwerk
überdeckt die kurz vor der Jahrhundertwende ausgeführten
Wandmalereien. Nur einige Ornamentleisten sind im ursprünglichen
Zustand belassen worden.
(Quelle:
Auszug aus "Geschichtliches Eupen"; Band X, 1976)
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