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Neues vom "Kirchenfloh": Die Sopranistin



Die Sopranistin

Als unlängst zum 750jährigen Jubiläum der Pfarre Maria im Feld eine Benefizkonzert zugunsten selbiger veranstaltet wurde, wollte man zu diesem feierlichen Anlaß etwas ganz Besonderes bieten und hatte keine Kosten und Mühen gescheut, um die international renomierte Sopranistin Monserat Enrica Carneloni für diesen Galaabend gewinnen zu können.
Die ganz Stadt war auf den Beinen, alles was Rang und Namen hatte machte
der Jubelgemeine seine Aufwartung.
Sogar der Königshof war mit dem Thronfolgerpaar vertreten .

Der Konzertabend wurde natürlich in der erst kürzlich restaurierten Maria im Feld-Kirche abgehalten, die bis auf den letzten Platz besetzt war.
Für die hiesige Bevölkerung war dieses Konert das Ereignis des Jahrhunderts.
Die Freude und Erwartungen waren groß, die Sicherheitvorkehrungen auch.

Endlich war es soweit, nach der Begrüßung und des Einzugs der Hoheiten und des Bürgermeister-u. Schöffenkolegiums, sowie des Bischof mit Pfarrer und Kirchenräten, fanden die Herrschaften ihren Platz in den ersten zehn reservierten Reihen .

Nach zwei Minuten betrat die gut beleibte Diva in einem blutroten Abendkleid mit ausgeprägten Dekoltée den Chorraum und es gelang ihr sofort alle Blicke auf sich zu ziehen.
Eigens für diesen Abend legte die Sopranistin schwerpunktmässig ihr Repertoire auf Mozart-Arien.
Begleitet wurde die Diva am Konzertpflügel vom hiesigen Organisten und Musikwissenschaftler Prof. Dr. Ansgar Schnöller-Gillet, der aber leider ständig durch das wallende Konzertgewand der Sopranistin verdeckt blieb.
Selbst der angemietete Konzertflügel war meistens nur zur Hälfte erkennbar.
Die optisch Signalwirkung verstärkte sich nun akustisch durch ihre ersten hohen schrillen Töne.
Je nach Atemtechnik quoll ihre weibliche Pracht sehr zur Freude der anwesenden Herren (auch der unmusikalischen) aus dem Dekoltée gut sichtbar hervor.
So sehr sich der Organist in Bewegungen am Konzertflügel auch abmühte, er war einfach nicht zu sehen. Tief bewegt mit viel Aplaus bedankte sich das Puplikum immer wieder.
Und nun zum krönenden Abschluss endete die Sopranistin ihr Konzert mit einer mit Kolleraturen besetzten Arie.
Ihr Dekoltée bebte , die Männer auch. Als dann auch noch eineige Passagenin gefährliche Höhe für ihre Stimmlage gingen, vermochte die Diva sogar die Gesichtsfarbe dem ihres Kleides anzupassen. Die frisch restaurierten Fenster gaben beängstigende klirrende Geräusche von sich.
Mittlerweile schon mit leicht rot-lilaner Gesichtsfarbe rang die gute Dame bei dem
hohen C nach Sauerstoff und die Gemeinde um Fassung. In der letzten Takten ihres gesanglichen Donnerwetters war der Organist am Klavier nicht nur mehr zu sehen, nein man hörte ihn auch kaum
noch.
Unter tobenden Applaus verließ die Sopranistin die Ortschaft um mit ihrer gepanzerten Limusine und guter Bezahlung hinweg zu schweben. Der Organist wurde ebenfalls nicht mehr gesehen.
Bei Getränken und Häppchen liessen die Gäste den Galaabend in netten Gesprächen vertieft ausklingen.
Während die Anwesenden der ersten 10 Reihen noch unter Taubheitsgefühlen litten, bestand eine grosse Einigkeit darüber, beim nächsten Jubiläum in 50 Jahren diesen aktustisch, wie geschichtlich-gesellschaftlich wichtigen Abend in ähnlicher aber bescheideneren Form zu wiederholen, mit Blasmusik

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